Illicitum frustra Venus improba vexat amorem

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Mein Vrtheil widerräth es mir

Vnd sagt: Ich sol mich von dir wenden;

Ich aber habe die Begier,

Mein Lieb, noch nicht in meinen Händen,

Ich streit in grosser Sorg vnd Pein

Vnd kan doch nicht jhr Meister seyn.

Mein zartes Alter weiß noch nicht

Vor jhren Kräfften ob-zusiegen,

Ich muß durch jhre strenge Pflicht

Im ersten Ansatz vnten liegen;

Wie klüglich mein Verstand auch lehrt,

So wird er doch nicht angehört.

Ich kenne zwar die Tugendt wol,

Was hilfft es mir? Ich muß sie hassen;

Ich sehe, was ich meiden sol,

Vnd kan es doch nicht vnterlassen;

Zum Bösen lieb' ich schnelle Fahrt,

Zum Guten trag' ich Schnecken-arth.

Recht wie ein Schiff in vollem Lauff

Die Syrten zwar vor Augen siehet,

Vnd helt doch seine Flucht nicht auff,

Wie hefftig es sich auch bemühet:

Der vngezähmten Winde Streit

Gönnt hie der Kunst nicht Krafft, nicht Zeit:

So seh' ich meinen Vntergang

Mir auch zwar stets vor Augen schweben,

Vnd kan mich doch durch keinen Zwang

Der sorglichen Gefahr entheben:

Das geile Wol-thun führt mich hin

Wo ich mir selbst nicht ähnlich bin;

Da, wo ich eben das muß seyn,

Was vormals Ithacus Geferdten,

Die sich in Bähren, Wölff' vnd Schwein'

Auff Circe Zauberey verkehrten.

Wer unter den Begierden ist,

Darff keiner Circe Kunst vnd List.

Sie ziehen jhm den Menschen auß,

Vnd heissen jhn zum Viehe werden:

Dann ist er nur des Menschen Hauß

Vnd trägt nur Menschliche Geberden,

Der Kern des Menschen ist verheert

Vnd in ein tummes Wild verkehrt.

Jedoch, gleich wie die wilde Fluth

Nicht allezeit sich muß bewegen:

So wird mit meinem jungen Bluth

Der Sinnen Toben auch sich legen;

Ich weiß, mein Vrtheil vnd Verstand

Behelt zuletzt noch Oberhand.

Indessen, weil ich vnverliebt,

Wie gern ich wolte, nicht kan bleiben,

Vnd aber Dich das Glück mir giebt

Der Jugendt süsses Spiel zu treiben,

So solt nur Du, mein Licht, allein

Mir meine Gegen-Liebe seyn.

Kein Weibes-Bild sagt mir so zu

Vnd räumt sich so zu meinen Sitten,

Mein Sinnen-Trost, als einig Du,

Drumb hast du mir die Seel' erstritten,

Die Seele, die mir gantz entfellt

Vnd sich zu deiner Seelen helt.

Vor dieses aber, meine Lust,

Das meine Seel' auff dir muß rasten,

Laß dich auch ferner, wie du thust,

Kein' vngelehrte Hand betasten,

Weil Phoebus selbst, vnd ich, sein Kind,

Kaum deiner Liebe würdig sind.