Im Herbst

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Sieh, Amarant, wie werden an der Laube

Die Blätter gelb und roth!

Horch! wie da schon der Nord, zu seinem Raube

Sie abzuholen, droht!

Was wird uns nun im Vollmond' noch verstecken?

Kalt sey die Nacht; für mich

Ist's warm genug; doch wird kein Schnee entdecken,

Wer durch das Pförtchen schlich?

Wird nicht der Gänse Schnattern, nicht das Knarren

Der Thüren, das Gebell

Der Hunde, dich verrathen? Welch ein Harren

Für mich, am Kammerschwell'?

Ein jeder Laut ruft da gewiß dem bangen,

Verzagten Herzen zu:

Horch', Nante! deine Mutter kommt gegangen,

Und, was sie sucht, bist du!

Doch, den sie finden wird, auf leisen Socken

Einschleichend, wie ein Dieb,

Der, – ha! wie steht sie staunend und erschrocken! –

War heut' ihr noch so lieb!

Nein! lieber Mann! wo willst du sonst mich sprechen?

Und finden sollst du mich!

Nur solch ein schönes Mutterherz zu brechen –

Ich liebe sie – wie dich.