Im Nahmen eines Andern

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Immer auß der sälben Kanne

schmäkkt mir nicht der bäste Wein.

Heute muß es Marmoranne

morgen Marzimindgen seyn.

Nach den Schwartzen soll man drachten

sie sind süß zu jeder Zeit;

doch die Blonden zu verachten

halt ich for Ohnmügligkeit!

Alle lassen sich erbitten

wenn man sie nur rächt beläkkt;

keine ist so streng von Sitten

daß ihr nicht ein Küßgen schmäkkt.

Dreff ich Rosilis im Garten

oder Buschgen gar im Heu

flöht ich gleich auff dausend Ahrten:

Lihber dodt alß ungetreu!

Doris küß ich auff die Bäkkgen

Filosetten auff den Mund

Sylvien kniep ich unters Gäkkgen

Fillis wo sie hindten rund.

For die niedlichsten Caräßgen

bün ich würcklich wie gemacht

sälbst in das belihbte Gäßgen

schleich ich manchmal kortz für Nacht.

Bey Bisqwit und Schokolade

sizzt man dan auff meinem Schooß;

zeigt den Schuch biß an die Wade

macht sich beyde Brüstgens blohß.

mit den freundlichsten Allüren

geht man gleich auff alles ein –

die da gläubte meinen Schwüren

müßt ein rächtes Gänsgen seyn!