Im namen einer fräulein an ihren hauptmann.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ach könte dir mein hertz wie meine dinte fliessen!

Ach zöge dieses blat auch meine seuffzer an!

So würde werther leicht dein mund bekennen müssen

Daß mich der himmel itzt nicht höher straffen kan.

Du würdest meinen brieff mit bleichen lippen netzen

Die thränen würden dir biß an die seele gehn

Und endlich müste mich doch dieser trost ergetzen:

Dein hauptmann wird dir bald vor deinen augen stehn.

Nun aber kan ich dir mein leiden nicht beschreiben

Die feder ist zu klein fur meine traurigkeit;

Und was mir etwan noch soll meine geister treiben

Hat schmertz und ungedult mit wermuth überstreut.

Ich schreib ich weiß nicht was; es irren hand und sinnen

Die sylben halten nicht gewichte maß und ziel.

Der sorgen schwartze nacht umnebelt mein beginnen

Ich selber aber bin der liebe gauckel-spiel.

Ich weiß nicht ob ich dir die warheit darff bekennen

Mein schatz dein strenger schluß hat meine qvaal erregt:

Du schaffest daß mir nichts als trauer-kertzen brennen

Du hast mir unverhofft die martern angelegt.

Ein land ein weites land hält deinen leib gebunden

Du suchst in fremder lufft bekrönte frühlings-ruh

Doch glaube hastu dich mit rosen gleich ümwunden

So weht dein freuden-wind mir doch die dornen zu.

Ich soll mich nur entfernt mit schatten-wercken speisen;

Wie aber reimt sich doch verliebt und ferne seyn?

Wie schickt sich doch mein weh zu deinen anmuths-reisen

Und deine grausamkeit zu meiner seelen-pein?

Die liebe läst sich leicht durch lange meilen dämpffen

Ein frischer amber-kuß sticht tausend alte weg.

Wo schönheit und verstand die schwache treu bekämpffen

Da pflastert leicht die lust den süssen liebes-steg.

Wir jungfern müssen nur den kleider-moden gleichen

Was heute prächtig scheint wird morgen ausgelacht;

So könt ihr männer uns auch sanffte pflaumen streichen

Biß ihr den leichten mund wo besser angebracht.

Ihr spielet mit der lust wie winde mit narcissen.

Bald kommt ihr gantz entfernt mit complimenten an

Bald wolt ihr uns die hand bald auch die schürtze küssen

Da doch der zehnde kaum die buhlen zehlen kan.

Itzt stürmt ihr hertz und mund uns durch Syrenen lieder

Und schließt uns unbedacht in liebes-fässel ein

Itzt zieht ihr wieder fort und endlich kommt ihr wieder;

Denn wolt ihr kälter noch als Salamander seyn.

Doch liebster tadle nicht mein allzu kühnes schreiben.

Ich weiß zwar daß du mir mehr als gewogen bist

Die regel aber wird auch noch der nachwelt bleiben

Daß furcht und eyffersucht der liebe zunder ist.

Die größte glut besteht in thränen-vollen hertzen.

Wer sonder eyffer liebt der liebt auch ohne treu;

Auch winde blasen feur in die erstorbne kertzen

So macht ein kleiner streit uns aller zweiffel frey.

Zwar ich gedencke noch der zucker-süssen stunden

Als ich die rosen dir von deinen lippen laß

Als sich die nelcken mir um meinen mund gewunden

Und mir das glücke selbst zu meinen füssen saß.

Wo aber ist der glantz der freuden hingeschossen?

Wo bleibt der stille tag wo die beperlte zeit

Da deine leffzen mir mit nectar-safft geflossen

Und mich dein reiner kuß mit bisem eingeweyht?

Mein hauptmann prüfe selbst die schmertzen meiner wunden

Und dencke was vor angst mir alle glieder schlug

Als sattel pferd und knecht zur reise fertig stunden

Und dich der schnelle gaul aus meinen augen trug.

Ich dachte dazumahl vor thränen fast zu brechen

Was aber dazumahl? Itzt lern ich erst verstehn

Wie nacht und finsterniß die freuden-lichter schwächen

Und wie die lampen uns von winden untergehn.

Ach liebster laß mich nicht in dieser noth versincken

Steh auff und stelle dich in meinen armen ein!

Komm weil die sterne dir zur liebes-taffel wincken

Und selbst der himmel will zu deinen diensten seyn.

Wer wunden heilen will muß keine zeit verschertzen

Ein allzu später rath schlägt leider! wenig an

Der lindert nicht die qvaal und mehret nur die schmertzen

Der nicht den augenblick auff mittel dencken kan.

Mehr weiß ich nicht in eil hier worte beyzusetzen

Genung daß meine lust in deinen händen steht

Daß mich dein wille kan betrüben und ergetzen

Und ewig mein magnet nach deinen norden geht.

Du kanst wohl selber leicht aus deiner treu erdencken

Daß uns in Dännemarck noch keine rosen blühn

Daß sich dein auge muß nach meinen augen lencken

Und dein entfernter mund nach meinem munde ziehn.

Ich grüsse schon den tag mit tausend freuden-küssen

Da mir mein engel wird an meiner seite stehn.

Da mir dein süsser mund wird wieder nectar giessen

Und nichts als malvasier von deinen lippen gehn.

Ach hauptmann eile fort beflügle pferd und wagen

Und gönne meiner lust bald deinen sonnenschein!

Wo nicht so glaube nur daß ich durch diese plagen

Bald meiner lebens-zeit werd überhoben seyn.