[Im Prunkgemach, worin die kühle Luft]

By Georg Friedrich Daumer

Written 1823-01-01 - 1823-01-01

Im Prunkgemach, worin die kühle Luft

Durchwonniget von reichem Ambraduft,

Da ruhten in behaglichem Verein

Drei schöne Kinder traulich und allein,

Und man beschloß, geheime, zarte Sachen

Im Wettgesange reimend kund zu machen;

Ein Beutel Goldes sollte für den Sieg

Und ich der Richter sein in diesem Krieg.

Nicht ohne Scheu sofort zum Anbeginn

Verkündete die erste Sängerin:

„Ich schlummerte; da nahte meine Lust

Und weckte nicht – o trauriger Verlust!“

Die andere, nicht ohne Rückbehalt,

Entschleierte sich im Sange dergestalt:

„Mit meinem Freund im Traume koset' ich;

O träumte mir so schön allewiglich!“

Nun kam die Reih' auch an die dritte Schöne,

Und es verriethen ihre Silbertöne:

„Sink' ich dahin in seinem Arme süß,

Mein Lager wird zum Rosenparadies.“

Drauf hat man eine Sklavin abgesendet

Und mir die Verse sämmtlich eingehändet.

Ich krönte rasch den dritten Wettgesang,

Denn holde Wahrheit athmete sein Klang.

Noch aber ist die Mähre nicht geendet;

Bald wurde mir noch etwas eingehändet;

Ein Beutel mit Dukaten ward gesendet.

Die Siegerin, was ich ihr zugewendet

Durch meinen Spruch, das hat sie mir gespendet.