In der Barke

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Zwei fröhliche Leutchen,

Nicht lang noch vermählt.

Er hat sich zum Bräutchen

Die Schönste gewählt.

Ihr sonniger Nachen

Die Wellen durchfliegt.

Die Augen ihr lachen,

Dicht an ihn geschmiegt.

Mit schwellendem Segel

Den gleitenden Kahn

Umflattern die Vögel

Auf leuchtender Bahn.

Sie wirft, um zu locken

Die gierige Brut,

Weißschimmernde Brocken

Hinaus in die Flut.

Das Herzchen, von reiner

Glückseligkeit voll,

Verlangt, daß nicht einer

Leer ausgehn soll.

Und wie sie sich zanken

Und tauchen zum Grund,

Von süßen Gedanken

Verklärt sich ihr Mund.

Sie flüstert so munter

Zum Liebsten empor.

Der beugt sich hinunter

Und küßt ihr das Ohr.

Der Alte, der Ferge

Mit braunem Gesicht,

Blickt still in die Berge,

Als merkt' er es nicht.

Er denkt wohl: O blieben

Sie lang in Salò!

Wie macht junges Lieben

So königlich froh.

Vor Kosen und Küssen

Er wünscht nicht einmal

Die Taxe zu wissen,

Der junge Gemahl.

Mir kommt es gelegen;

Denn landen wir an,

Wie Könige pflegen,

Bezahlt er mich dann.