[In dieser tunckel-braunen Nacht]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

In dieser tunckel-braunen Nacht

Wo Furcht und Schrecken um mich wacht

Wo Leyd und Trauren mich umfangen

Frag' ich Dianen wie vielmahl

Sie seit dem Anfang meiner Qual

Ihr gläntzend Silber ausgehangen.

Ich frage sie wie offt ihr Rad

Celinde deine schöne Stadt

Seit meinem Schaden hat beschienen.

Wie offt der müden Augen Licht

Hat ihr erblaßtes Angesicht

Bißher zur Fackel müssen dienen.

Ich frage sie ob sie nicht weiß

Wie offt der heissen Thränen Schweiß

Hat meine Wangen übergossen.

Ich frage sie wo ist die Zeit

Da ich Celindens Höfligkeit

In süsser Gegenwart genossen.

Wo sind die schönen Stunden hin

Da ihre Freundschafft meinen Sinn

Mit klugen Reden hat vergnüget

Da wir doch sonder Feind zu seyn

O süsse Quelle meiner Pein!

Mit Wort und Karten offt gekrieget.

Wie bin ich izt so übel auff

Nun meiner Reise strenger Lauff

Von meinem Arzte mich vertrieben.

Der blosse Schatten findt sich hier

Der Geist das beste Theil von mir

Ist unvermerckt zurücke blieben.

Izt fühl ich erst was Scheiden sey

Mit was für Plag und Tiranney

Sich muß ein Hertz von Hertze trennen

Wo wahre Freundschafft fasset Grund

Und selbst die Seelen nicht der Mund

Allein von reinen Flammen brennen.

Ach Monden dupple deinen Gang

Mach uns die Monat nicht so lang

Biß das bestimmte Ziel erschienen

Und mich geneigter Sternen Schluß

Dem ich mich unterwerffen muß

Celinden wieder läst bedienen.