In Potsdam

By Louise Aston

Written 1832-01-01 - 1832-01-01

Vom Dome hallen Glockenklänge –

Stille Andacht überall,

Gläubig singt des Volkes Menge

Zu der Orgel hellem Schall;

Dort in einsamer Kapelle

An des Altars heilger Schwelle

Knie'n die Allerhöchsten Sünder,

Gottes auserwählte Kinder.

Was sie beten, was sie flehen?

Ihre bleiche Lippe spricht:

„Jetzt, da wir am Abgrund stehen,

Jetzt – nur jetzt verlaß' uns nicht!

Unser Purpur will erbleichen,

Unsre Macht zerfällt in Scherben;

Lass' mit Blute sonder Gleichen

Uns den Purpur wieder färben!“ –

Mögen sie zum Himmel beten

Und mit neu gestärktem Muth

Eines Volkes Recht zertreten,

Pochend auf des Höchsten Huth:

Taub und schwach sind ihre Götter,

Taugen nur zum Spiel der Spötter;

Doch der Geist, der ewig freie,

Gibt dem Volk die Siegesweihe!