Indianische Tristis oder Trauer-Blume Bey f. ühzeitigen Erblassen Fr. S. C. P. g...

By Heinrich Mühlpfort

Durchaus betrübter Freund! in dem deß Lentzen Bilder

Die Blumen wir erfreut im schönsten Wachsthum

Und Florens Eh-

Durch einen süssen Hauch pflegt freundlich anzuwehn.

Da Tulpen und Narciß in glattem Atlas prangen

Und sich dem Himmel gleich der Erde Brust besternt

Ist euer gantzes Haus mit Ach! und Weh! umfangen

Weil deine Blume sich den Augen hat entfernt.

Und sie nicht nur allein. In so gar kurtzen Zeiten

Eh’ noch Dianens Licht zum vierdten sich verkehrt

Must du dem Fleisch und Blut zwey Kinder auch begleiten.

Fall! der gleich einem Blitz durch Marck und Beine fährt.

Gleicht nun dein Zustand jetzt nicht wilden Wüsteneyen

Wo Angst und Einsamkeit dir eine Wohnung baut

Wo alles dich erschreckt was vor pflag zu erfreuen

In dem dein Auge nichts als Särch und Leichen schaut?

So gar heist Gottes Spruch dich in der Aschen sitzen

Und schenckt des Creutzes Kelch dir wolgemessen ein.

Ich seh umb deinen Kopff nichts als Cometen blitzen

Und wen dein Leid nicht rührt der ist ein Marmelstein.

Der Gärtner wird betrübt wenn sein vertraulich hoffen

Und vieler Stunden Fleiß ein Blumenstück verdirbt.

Dich hat

Indem dir Stock und Blum an deiner Seite stirbt.

Wo such ich etwas aus das solche Wunden heile?

Das diesen Seelen-Riß mit Trost verbinden kan?

Achilles heilte zwar die Schäden seiner Pfeile

Hier geht die Hülffe nur des Höchsten Allmacht an.

Stell alles dem anheim der von der ersten Wiegen

Biß auff das kalte Grab uns wunder-heilsam führt.

Ich weiß und will sichs gleich mit der Vernunfft nicht fügen

Daß doch den schärffsten Kampff die beste Krone ziert.

Die Hand so dich jetzt drückt die wird dich bald umbarmen

Gott greiffet die ihm lieb mit harten Proben an

Und in der höchsten Noth ist sein geneigt erbarmen

Ein unbeweglich Fels auf den man gründen kan.

Der Mensch beliebe nur was GOtt hat wolgefallen

Gehorsam ist allhier ein Opffer voller Ruhm

Und schmeckt es unserm Mund als bitter Gifft und Gallen

So bleibt das Creutze doch der Christen Eigenthum.

Jedoch was müh ich mich den Mittag zuerleuchten?

Dir wohnt dergleichen Trost sonst überflüssig bey.

Den mit der Castalis die Clarien befeuchten

Wer glaubt nicht daß bey dem ein Schatz der Weißheit sey?

Wo aber Thrän auf Thrän als wie die Wellen schlagen

Hilfft auch der Seneca mit seinen Schrifften nicht.

Ein ungemeiner Schmertz ist schwerlich zuverjagen

Es röthet sich nicht dald ein bleiches Angesicht.

Wie wol

Der

Und daß ich durch ein Bild desselben Krafft abdrücke

Bin ich umb einen Baum aus Indien bemüht:

Denselben können wir

Der wenn der Abend uns mit dichtem Schatten deckt

Und an dem blauen Saal die güldne Sterne gleissen

Erst seiner Blätter Zier und Liebligkeit erweckt

Denn steht er voller Blüt als wie in weisser Seide

Der liebliche Geruch so von den Blumen fällt

Beut einen Wett-Streit an der Pomerantzen Kleide

Kein Balsam ist so starck der ihm die Wage hält.

So bald Aurora kommt in ihren Purpur-Wangen

So steht er wie verdorrt der Tag ist ihm verhast

Hat denn die braune Nacht sich wieder angefangen

Prangt seiner Zweige Rey mit Blumen-reicher Last.

Der Blumen Würckung dlent daskrancke Hertz zu stärcken

Jhr starckes Wasser netzt der Götzen Opffer-Tisch

Und was man zehlen mag zu andern Wunder-Wercken.

Er steht das gantze Jahr an Zweig und Blüten frisch.

Der Inder pflantzet ihn an seines Hauses Gräntzen

Darmit ein schön Geruch erquicke Seel und Geist.

Weg mit Bux und Napell! Weg mit Cypressen Kräntzen!

Weil dieser Trauer-Baum auf die

Der Himmel hatte sie in frembdem Land erkohren

Ein unerforschlich Schluß in Preßburg außgesucht

Und reine

Weil sie der Vater selbst gelehrt mit vieler Frucht:

Jhr Tugend-frommer Sinn und sittsame Geberden

Der Keuschheit-Lilgen Glantz deß Lebens stille Ruh

Bezeugten daß ein Baum auß unbekanter Erden

Jhm oft in andrer Lufft legt mehr Gedeyen zu.

Es ließ ihr edler Stamm sich voller Blüte schauen

Die dir dein Hertz ergetzt und deine Seel erfreut:

Sie war dein Augen-Trost dein Alles dein Vertrauen

Ein irrdisch Paradeis in dieser Sterbligkeit.

Sie als ein fruchtbar Baum wieß sich in dreyen Zweigen

Die einst des Vatern Witz der Mutter Treu geziert;

Wenn sie sich nicht so bald zur Erden müssen beugen.

Und sie der Parcen Hand mit ihrem Stahl berührt.

Der Unfall war genug Betrübtster dich zu kräncken

Wenn nicht ein grösser Leid vermehrte deine Pein

In dem du bald hernach die

Und legst dein halbes Hertz mit in den Sarch hinein.

Nun ist dein Freuden-Baum zu einer Tristis worden

So doch unschätzbar schön für jener Anmuth blüth;

Die streicht ein eintzig Tag weg auß der Blumen Orden

Wenn auß deß Grabes Nacht man unsre funckeln siht.

Der Tugend ewig Licht dämpfft nie deß Todes Schatten

Der lieblichste Geruch verbleibt ein gut Gerücht.

Es mag darwider sich Neid und Verleumbdung gatten

Die Nachwelt thuts allein so hier das Urtheil spricht.

Das angedencken kan

Weil es der Tristis gleich dein mattes Hertze stärckt

Der Balsam ihres Ruhms wird Beul und Wunden lindern

So daß man sichtbarlich deß Höchsten Beystand merckt.

Laß jetzt den güldnen Lentz mit seinen Blumen prangen

Sie werden endlich doch ein Raub der grimmen Zeit.

Nun deine Tristis ist den Himmel eingegangen

Krönt sie ein ewig May der grossen Herrligkeit.