Irrlicht

By Clara Müller-Jahnke

Written 1882-01-01 - 1882-01-01

Ich hab mich lange Zeit gesträubt

und wollt es nie und nie verstehen,

was ich im Leuchten deines Blicks,

im Zucken deines Munds gesehen.

Es war in tiefer Dunkelheit

ein Irrlicht, welches mich geblendet;

und daß der Pfad, auf den es lockt,

in Nacht und Not und Grauen endet –

Ich weiß es längst: – In bleicher Angst

halt ich die Augen fest geschlossen,

und dennoch fühl ich Fieberglut

durch alle Adern mir ergossen –

Und dennoch pocht bei deinem Blick

mein Herz in immer heißern Schlägen:

magnetisch zieht das Zauberlicht

den Tiefen mich der Schuld entgegen.