[Ist denn dein hertze gar erfroren?]
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Ist denn dein hertze gar erfroren?
Bist du aus schnee und eiß gebohren?
Hörst du mein seuffzen nicht
Und was mein unmuth spricht?
Soll ich dich göttin nennen?
So nimm des himmels wehmuth an
Der leichtlich sich erbarmen kan
Und uns nicht ewig läst in hoffnungs-fla ien brennen.
Des blutes regung zu vermeiden
Und gantz von fleisch und blut zu scheiden
Ist nirgends ein gebot
Es heissets auch nicht Gott;
Sich selber zu verlassen
Ist eine flucht so sträfflich ist
Und wer ihm solche bahn erkiest
Den muß die menschlichkeit als einen unmensch hassen.
Du kanst ja deiner nicht geniessen
Kein mund weiß selber sich zu küssen
Der schnee auff deiner brust
Bringt dir geringe lust.
Die fleischichten Granaten
Seynd nicht allein vor dich erdacht
Kein mensch ist vor sich selbst gemacht;
Es weiß der klügste geist ihm hier nicht recht zu rathen.
Die rose suchet ihr verderben
Die auff dem stocke wünscht zu sterben
Und nur ihr gantz allein
Meynt angetraut zu seyn.
Wilst du dich selbst begraben?
Wer sich in sich umsonst verzehrt
Ist warlich seiner selbst nicht werth
Und muß der thorheit schild an seiner grabstatt haben.
Bezwinge weißlich dein gemüthe
Und folge zeitlich dem geblüte
Darein im paradieß
Gott selber funcken bließ;
Wer kan ihm widerstreben?
Schau ich dein helles antlitz an
So fühl ich was der himmel kan
Und wünsch auf deiner brust verparadiest zu leben.