Ist Ephraim nicht meine Kron?

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Ist Ephraim nicht meine Kron

Und meines Herzens Wonne,

Mein trautes Kind, mein teurer Sohn,

Mein Stern und meine Sonne,

Mein Augenlust, mein edle Blum,

Mein auserwähltes Eigentum

Und meiner Seelen Freude?

Ich höre seines Seufzens Stimm

Und hochbetrübtes Klagen:

Mein Gott hat mich, spricht Ephraim,

Gestraft und wohl geschlagen.

Er sucht mich heim mit harter Zucht,

Das ist mein Lohn, das ist die Frucht

Und Nutzen meiner Sünden.

Hör alle Welt! Ich bin getreu

Und halte mein Versprechen;

Was ich geredt, da bleibt es bei,

Mein Wort werd ich nicht brechen.

Das soll mein Ephraim gar bald

Erfahren und mich dergestalt

Recht aus dem Grund erkennen.

Ich denk noch wohl an meinen Eid,

Den ich geschworen habe,

Da ich, aus lauter Gütigkeit,

Mich ihm zu eigen gabe;

Ich sprach: du hast mein Herz erfüllt

Mit deiner Lieb, ich bin dein Schild

Und wills auch ewig bleiben.

Ich will mit meiner starken Hand

Dich als ein Vater führen,

Ich selbst will dich und auch dein Land

Aufs schönst und beste zieren.

Und wirst du mir gehorsam sein,

So soll dich meines Segens Schein

Ohn alles End erfreuen.

Wo du dich aber bösen Rat

Wirst von mir wenden lassen,

So will ich Deine Missetat

Heimsuchen, doch mit Maßen;

Und wenn du wieder kehrst zu mir,

So will ich wieder auch zu dir

Mich mit Erbarmen kehren.

Nun kehrt zu mir mein Ephraim,

Sucht Gnad in meinen Armen,

Drum bricht mein Herze gegen ihm

Und muß mich sein erbarmen.

Der Unmut fällt mir mit Gewalt,

Mein Eingeweide hitzt und wallt

In treuer Lieb und Gnade.

Kommt, alle Sünder, kommt zu mir,

Bereuet eure Sünden

Und suchet Gnad an meiner Tür,

Ihr sollt sie reichlich finden!

Wer sich mit Ephraim bekehrt,

Wird auch mit Ephraim erhört

Und hier und dort getröstet.