J. H.
Ich will itzt meinen geist nicht auf der erden
Weil seine flügel nach den sternen ziehn
Was sterne liebt kan zwar nicht sternen werden
Weil nesseln nicht so wie die rosen blühn:
Doch kan dein hoher sinn mich Flora tragen
Dahin wo mir das glück sonst will absagen.
Magnet zieht eisen an und du mein hertze
Ich leg es dir zu treuen händen hin;
Denck nicht daß ich mit bunten farben schertze
Du siehest mein gesicht doch nicht den sinn:
Wenn mögligkeit mir will ihn lassen mahlen
So wirst du liebe auch mit liebe zahlen.
Schau ich dich göttin an und dein gesichte
So seh ich mehr als klar des himmels zier
Wie deiner augen paar den glantz vernichte
Den sonn und monde brauchet für und für;
Und wie du holtz und berg und thal entzündest
Wo du was zunder nur und schwefel findest.
Seh ich die weisse hand und deine glieder
So muß der alabast zu grabe gehn.
Der wangen liebligkeit giebt mir kaum wieder
Daß ich vermag auf meinem fuß zu stehn;
Weil milch und purpur hier vermählet lieget
Weiß ich daß deine pracht zur sonnen flieget.
Dein schöner mund sticht weit corallen abe
Rubin der siehet ihn als mutter an
Es stirbet deine pracht auf seinem grabe
Weil dein mund selbsten sich nicht küssen kan;
Erweichst du deinen sinn und dein gemüthe
So seh ich meinen wunsch in schönster blüthe.
Was sind die brüste? ambrosiner kuchen
Die doch vor dich nicht selbst gebacken seyn;
Sie würden mit der zeit dir selber fluchen
Drum lade einen gast zu diesen ein
Dörfft ich mit einem blick dieselben rühren
So würdest du mich aus mir selber führen.
Diß was ich hier gesagt ist wohl zu rühmen
Doch mehr dein hoher geist der in dir lebt;
Die tugend will dir stets dein haar beblümen
Die sie vom schönsten golde hat gewebt;
Sie muß dir immerfort zu dienste stehen
Denn du kanst anders nicht als mit ihr gehen.
Ich opffre meinen sinn dir Flora eigen
Nim ihn auch wie du wilt zu diensten hin
Es soll das tieffe meer eh gantz verseigen
Wenn ich nicht immerfort dein diener bin.
Eh soll das wasser lufft zu steine werden
Und mein erblaster leib zu weisser erden.
Wenn ich gestorben bin soll meine seele
Vor deinem schönen mund zur wache stehn
Und schweben stets um die corallne höle
Ja nimmermehr von dar zurücke gehn.
Wenn nun um dein gesicht die lufft wird spielen
So wirst du meinen letzten seuffzer fühlen.