J rdisches V ergnügen in GOTT . F ünfter T heil.

By Barthold Heinrich Brockes

Nicht weniger gefiel auch mir

Des Buchs-Baums röthlich-grüne Zier,

Auf welchem, da ein jedes Blatt,

Recht wie Orangen-Laub, fast Spiegel-glatt,

Der heitern Sonne helles Licht

Schnell rückwerts strahlt und sich so lieblich bricht,

Daß, mit der grünen Pracht, an manchem Ort, vereint,

Das Kraut, an manchem Ort, versilbert scheint.

Ein lieblich-bitter-süsser Duft

Aus diesem Kraut erfüllt umher die Luft.

So gar durch die Figur, worin man es gesetzet,

Da es bald als ein runder Krantz formirt,

Bald als ein Rahmen, der geviert,

In netter Symmetrie die Garten-Beeten ziert,

Wird unser Aug’ ergetzet.

Diß alles nahm mit einem neuen Schein

Das innerste der Seelen ein.

Die Hofnung, daß der Winter bald vorbey,

Der laue Frühling nahe, sey,

Erfüllt mich zum voraus mit künftigem Vergnügen.

Aus der so oft gesehnen Lentzen-Zier

Stell’ ich mir die zukünftge Schönheit für.

Die Seele scheint sich zu bemühn,

Durch die Erinnerung herbey zu ziehn

Und sonder Gegenwart zu fügen,

Das was noch nicht, mit dem was nicht mehr, ist.