[Jedwedes Thier das wohnt auff dieser weiten Erde]
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Jedwedes Thier das wohnt auff dieser weiten Erde
Es haß und fliehe denn gleich Eulen Licht und Sonne
Lebt wie man sieht allein in Arbeit bey dem Tage:
Wenn aber sich das Haubt des Himmels krönt mit Sternen
Geht diß dem Stalle zu und jenes nach dem Walde
Ein jedes ruhet aus biß zu der Morgenröthe.
Ich wenn sich sehen läst der Glantz der Morgenröthe
Die braune Finsternis zu jagen von der Erde
Viel wilder denn ein Thier ein wildes Thier im Walde
Begrüsse Traurens-voll mit Seufftzen Licht und Sonne
Mit einer herben Bach von Thränen Mond und Sternen
In höchster Ungedult nach kaum verwichnem Tage.
Wenn izt der Abendstern sagt ab dem hellen Tage
Und unsre Dämmerung bringt andern Morgenröthe
So schrey ich kläglich an die mir befeindten Sternen
Die mich gemacht zum Spiel und Schauspiel aller Erde
Beklage meine Noth bey Himmel Lufft und Sonne
Daß ich mehr elend bin denn iedes Thier im Walde.
Kein grimmes Tiger-Thier kein frecher Lew im Walde
Gleicht der die mir geraubt die Freude meiner Tage
Und dennoch sieht mich treu und ohne Falsch die Sonne
Stets müde nimmer satt von Leid die Morgenröthe
Zum Zeichen daß der Leib zwar ist von schwacher Erde
Doch mein demantner Sinn sich gleicht dem Oel der Sternen.
Ach könt ich eh der Geist sich setzet bey den Sternen
Eh sich mein Schatten findt im Elyseer-Walde
Geschieden von der Last die werden soll zur Erde
Genüssen ihrer Gunst! die Zeit von einem Tage
Bringt funffzig Wochen ein ein Blick der Morgenröthe
Ein süsser Blick ist mir der Mittag heller Sonne.
Der lichten Augen Paar läst hinter sich die Sonne
Der Sternen-Himmel prangt mit diesen Angel-Sternen
Der Rosen-Wangen Zier beschämt die Morgenröthe
Der süssen Stimme Schall die Nachtigall im Walde
Wer schäzte nicht mit Ihr beseligt seine Tage!
Ach aber was verlangt der leichte Staub der Erde?
Mich decket in der Erd ein dünnes Brett vom Walde
Eh mir so süssen Tag vergönnen Glück und Sternen
Eh mir die Morgenröth erscheint von dieser Sonne.