Jesuitenzug

By Gottfried Keller

Written 1854-01-01 - 1854-01-01

Hussa! hussa! die Hatz geht los!

Es kommt geritten klein und groß,

Das springt und purzelt gar behend,

Das kreischt und zetert ohne End:

Sie kommen, die Jesuiten!

Da reiten sie auf Schlängelein

Und hintendrein auf Drach und Schwein;

Was das für muntre Bursche sind!

Wohl graut im Mutterleib dem Kind:

Sie kommen, die Jesuiten!

Hu, wie das krabbelt, kneipt und kriecht,

Pfui, wie's so infernalisch riecht!

Jetzt fahre hin, du gute Ruh!

Geh, Grete, mach das Fenster zu:

Sie kommen, die Jesuiten!

„Gewissen, Ehr und Treue nehmt

Dem Mann und macht ihn ausverschämt,

Und seines Weibes Unterrock

Hängt ihm als Fahne an den Stock:

Wir kommen, die Jesuiten!“

Von Kreuz und Fahne angeführt,

Den Giftsack hinten aufgeschnürt,

Der Fanatismus ist Profoß,

Die Dummheit folgt als Betteltroß:

Sie kommen, die Jesuiten!

„Wir nisten uns im Niederleib

Wie Maden ein bei Mann und Weib,

Und was ein Schwein erfinden kann,

Das bringen wir an Weib und Mann:

Wir kommen, die Jesuiten!“

O gutes Land, du schöne Braut,

Du wirst dem Teufel angetraut!

Ja, weine nur, du armes Kind!

Vom Gotthard weht ein schlimmer Wind:

Sie kommen, die Jesuiten!