Jhre augen sind cometen. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Man sagt: Lisette sey dem himmel anverwandt

Jhr antlitz zeige nur die schönsten sonnen-blicke

Jhr auge wiße nichts von schelmerey und tücke

Und was entzündung heißt sey ihr noch unbekandt

Sie kenne keinen haß sie wisse nichts von plagen

Noch weniger von stoltz und grausamkeit zu sagen.

Gewiß! diß alles hegt zwar einen güldnen schein

Und will den sichren schluß uns ins gedächtnüs binden

Wir werden lauter glück in ihrem umbgang finden

Und niemals ohne trost und süsse hoffnung seyn:

Die liebe werde sich mit unsrer lust vermählen

Und die vergnügung uns zum nechsten nachbar wehlen.

Ach! aber weit gefehlt es ist umb uns gethan

Wofern wir auf den stein des bloßen ansehns bauen

Und ihren blicken uns und unsre wohlfahrt trauen

Was vor verändrung wird man nicht in kurtzem sehn?

Wo wird alsdenn der trost wo wird die hoffnung bleiben

Wenn nun Lisette wird ihr lust-spiel mit uns treiben?

Zwar steh ichs selber zu: Sie ist dem himmel gleich

Dem himmel aber nur wenn er in wolcken blitzet

Wenn er in schwartzer lufft die scharffen pfeile spitzet

Und zum gehorsam treibt der erden weites reich:

O weh! der armen welt wie wird die freude schwinden

Wenn man statt sonnen wird cometen vor sich finden.

Heult dann ihr junges volck eur ende naht herbey

Lisettens auge will nur lauter unfall dräuen

Und nichts als feur und krieg und sterben prophezeyen.

Jtzt! itzt! entdeckt sie erst und lehrt uns was sie sey:

Denn da sie sich geschickt auff mehr denn tausend leichen

Sagt mir; wer wird doch wol Lisettens grimm entweichen?