Jhre kleider sind das schönste an ihr.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Phillis meinet ihres gleichen

Findt sich nicht in dieser welt

Habe sie gleich nicht viel geld

Müssen ihr doch andre weichen

Weil ihr ungemeiner pracht

Sie vor andern herrlich macht.

Jhre wunder-schöne kleider

Die sie offt verwechseln kan

Stehen ihr so trefflich an

Daß das gute mägdchen leider!

Alles was ihr wird geschenckt

Wieder an den hintern henckt.

Gleichwohl hat sie vorzuschützen

Daß der blosse kleider-pracht

Sie zu einer dame macht

Sonsten kan sie wenig nützen

Weil es ihr am angesicht

Mehr als allzu viel gebricht.

Denn sie ist gantz schwartz von farben

Doch mit gelben untermengt

Wie die schweine so man sengt

Mit viel tausend pocken-narben

Und die nase samt dem mund

Wiegen ein und zwantzig pfund.

Wenn sie liebe will erwecken

Muß sie seyn darauf bedacht

Daß sie gute anstalt macht

Jhr gefichte zu bedecken

Liesse sie es unbedeckt

Würde man nur abgeschreckt.

Drum so ist sie ja zu loben

Daß sie mehr als andre prangt

Weil es an den kleidern hangt

Daß sie höher wird erhoben

Als nach aller leute wahn

Jhrem stand gebühren kan.