Johann Mellhorn und Anna Koese

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Wer erst den Tantz hat auffgebracht,

Hat die Verliebten wol bedacht

In jhren schweren Flammen:

Wann nichts sonst jhren Sinn begnügt,

Kein Ort sie an einander fügt,

Bringt sie der Tantz zusammen.

Ihr Hertz liegt in der Liebe kranck,

Es wird kein Mahl, kein süsser Tranck

Bey jhnen was verfangen:

Man sieht sie voller Hoffnung stehn,

Wenn nun die Tantz-Lust an-solgehn,

Die stillet jhr Verlangen.

Sind auch die Tische gleich beyseit,

Macht jhnen doch die lange Zeit

Noch immer tausent Schmertzen:

Sie kommen allem Tantz zuvor,

Sind jhnen beydes Sahl vnd Chor

Vnd tantzen frisch im Hertzen.

Dieß ist der Liebe strenge Zucht,

Wer Rhu in jhren Diensten sucht,

Sucht Wasser in dem Fewer,

Ihr Volck mus, wie die Sclaven, fort,

Sie ist fürwar, mit einem Wort,

Ein rechtes Vngehewer.

Wol denen, die in Heyraht stehn

Vnd jhrer Bande müssig gehn,

Wie weit sind sie von Leiden!

Seht vnsern wehrten Bräutgam an,

Der jhren Hochmuth trotzen kan,

Wie tantzet er in Frewden!

Er führt an seiner rechten Hand

Sein außerwehltes Seelen-Pfand,

Den Lohn für seine Tugendt,

Vnd Sie, die Schönste, die er weis,

Trägt aller Zucht vnd Vnschuld Preis,

Vnd ist ein Glantz der Jugend.

Folgt jhnen in dem Tantze zwar,

Mehr aber in der Gaben Schar,

So wird es keinem fehlen,

Gott weis umb euch allein bescheid,

Wird einem jeden mit der Zeit

Das seine wol erwehlen.

So tantzet nun gerad vnd krumm,

Wollt jhr die Liebste, wechselt umb,

Zürnt, wenn jhr still solt stehen:

Gebraucht in Ehren euch der Welt,

Wenn euch das Alter überfällt,

Es wird euch wol vergehen.