Jrdisches Vergnügen in GOTT. Zweyter Theil.
Wofern du, lieber Mensch,
ein Atheist,
Wie oder bloß ein Thier
mit andern Thieren bist;
So steht dir frey, daß du die Welt
Und was uns in die Sinne fällt,
Verächtlich hält’st, und nicht be-
trachtest;
So steht dir frey, daß du die Zeit,
Darin man die Beschaffenheit
Der Creatur und ihre Herrlich-
keit
Bewundert, für verloren achtest.
Allein
Wofern du dir nicht selbst die
Sele raubest,
Wofern du eine Gottheit glau-
best,
Die alles, Stern- und Sonnen-
Schein,
Die Himmel, Erd’ und Meer ge-
macht,
Die dich und alle Ding’ hervor
gebracht;
So kannst du ja nicht anders
denken,
Als daß der Schöpfer weiß, daß
dich Sein Werk nicht rührt,
Daß du’s nicht würdigest, Jhm
einen Blick zu schenken,
Daß folglich GOTT, so viel an
dir, verliert
Macht, Weis heit, Lieb’ und Ehr’.
Armsel'ge Creatur,
Wie elend ist dein Stand? da du
noch nicht empfunden,
Daß GOTT hier auf der Welt
mit deiner Lust nicht nur
Sein Lob so wunderbar, so Gna-
den- reich verbunden,
Nein, daß so gar dein’ Anmut
auf der Welt,
Die sich auf GOttes Ehre grün-
det,
Aus Gnaden Jhm so wol gefällt,
Daß sie auch dort gewiß unend-
lich' Anmut findet.
Und dieß versäumest du, und
willt mit Fleiß nicht sehn,
Was durch des Höchsten Lieb’
und weise Macht geschehn.
Bedenke, was du thust! so weiß
ich, du verspürest,
Daß du nicht hier allein, auch
dort, dein Heyl verlierest.
Die Strafe fängt bereits in die-
sem Leben an.
Denn überkommst du gleich das
gröste Glück auf Erden;
So kannst du doch unmöglich
glücklich werden.
Sprich selbst: ob etwas dich wol
recht vergnügen kann
Von allem, was du such’st, von
allem, was du treibest!
Sprich, ob dasjenige, worauf
dein Sinn gericht't,
Erlang’ es oder nicht,
Dich rühr’, und ob du nicht stets
unglückselig bleibest!
Die Unempfindlichkeit und die
Gewohnheit sind
Harpyen, welche dich für alles
gute blind,
So bald du es besitzest, machen.
Es frisst ihr nissier satter Rachen
Den Kern von deiner Lust. Du
aber must die Schalen,
Die doch so ungeschmackt, mit
Arbeit, Sorge, Müh,
Mit Schrecken, Furcht und Angst
nur gar zu theur bezahlen.
Dieß ist der Lohn für dein Betra-
gen hie;
Von künft’ger Reu, von künft’-
gen Straf- und Plagen
Nicht einst zu sagen.
Mein GOtt, behüt’ uns doch
vor so verstocktem Wesen,
Und einer Brust, die so versteint,
so hart!
Ach laß uns Deine Gegenwart
Jm schönen Buch der Welt
mit Freude lesen!
Die Schrift, die jeder Mensch
mit Ehrfurcht lesen soll,
Die auch die Engel selbst mit
Furcht und Lust bemerken,
Die lautet so: Es sind von GOt-
tes Werken
Und Seiner Majestät der Him-
mel Himmel voll,
Luft, Erd’ und Meer erfüllt. Nun
diese Füll' allein
Recht zu beherzigen, soll itzt mein
Endzweck seyn.