Jubiläum

By Johann Wolfgang Goethe

Written 1815-01-01 - 1815-01-01

Hat der Tag sich kaum erneuet,

Wo uns Winterfreude blühet,

Jedermann sich wünschend freuet,

Wenn er Freund und Gönner siehet.

Sagt, wie schon am zweiten Tage

Sich ein zweites Fest entzündet?

Hat vielleicht willkommne Sage

Vaterland und Reich gegründet?

Haben sich die Allgewalten

Endlich schöpferisch entschieden,

Aufzuzeichnen, zu entfalten

Allgemeinen, ew'gen Frieden?

Nein! – Dem Würdigen, dem Biedern

Winden wir vollkommne Kränze,

Und zu aller Art von Liedern

Schlingen sich des Festes Tänze.

Selbst das Erz erweicht sich gerne,

Wundersam ihn zu verehren;

Aber ihr, auch aus der Ferne,

Laßt zu seinem Preise hören!

Er, nach langer Jahre Sorgen,

Wo der Boden oft gebidmet,

Sieht nun Fürst und Volk geborgen,

Dem er Geist und Kraft gewidmet.

Die Gemahlin, längst verbunden

Ihm als treulichstes Geleite,

Sieht er auch, der tausend Stunden

Froh gedenk, an seiner Seite.

Leb er so, mit Jünglingskräften

Immer herrlich und vermögsam,

In den wichtigsten Geschäften

Heiter klug und weise regsam

Und in seiner Trauten Kreise

Sorgenfrei und unterhaltend,

Eine Welt nach seiner Weise

Nah und fern umher gestaltend.