Kaffee und Thee

By Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Written 1761-01-01 - 1761-01-01

Es fragten mich einst Mädchen

Mit braunen Augenbraunen:

Freund, warum trinkst du Kaffee?

Da sprach ich zu dem Mädchen:

Zur Ehre der Brunetten!

Dis rühmten sich die Braunen

Heut in der Kaffeestunde,

Als sie den blonden Mädchen

Den Vorzug streitig machten.

Sie zankten sich beim Kaffee,

Und riefen mich zum Schlichten.

Komm! sprach ein loses Mädchen,

Und winkte mit dem Fächer,

Du hast ja einst gesungen,

Du köntest Händel schlichten;

Nun schlicht auch unsre Händel.

Doch, erst muß ich dich fragen:

Warum trinkst du den Kaffee?

Verrätrische Brunette,

Es hören mein Bekentniß

Die artigsten Blondinen,

Es hörts die blonde Doris,

Allein ich darf nicht schweigen.

Ich sprach, so bald sie fragte:

Zur Ehre der Brunetten!

Und that den stillen Seufzer:

Minerva gib mir Weisheit.

Noch da ich also seufzte,

Bewegten sich die Braunen

An allen Kaffeetischen,

Und klatschten in die Hände,

Und wiesen auf die Blonden,

Und machten stolzre Minen

Als Juno, da sie herschte.

Schnell trat ich zu den Blonden,

Und frug die blonde Doris:

Was iauchzen denn die Schönen?

Da sprach die Blonde spöttisch:

„Du trinkest ia den Kaffee

Zur Ehre der Brunetten.“

Hier sagt ich langsam wieder,

Was mir die weise Göttin

Unsichtbar heimlich sagte:

„Den braunen Trank der Türken

Trink ich des Nachmittages

Zur Ehre der Brunetten;

Den weissen Trank der Seren,

Den Thee, trink ich des Morgens

Zur Ehre der Blondinen.“

Schnell iauchzten alle Blonden,

Und klatschten in die Hände,

Und wiesen auf die Braunen,

Und spotteten der Minen

Des Vorzugs und des Stolzes.

Ich aber gab Minerven

Den Dank für ihre Weisheit,

Und schlich mich aus dem Zimmer,

Und ließ die Schönen zanken.