Kleander und Rosellens Wechselbrieff bey dem K. und E. Hochzeit-Feste den 18. No...
Mein Licht ob gleich mein Brief mit Blumen nicht ge- schmücket
Und schlechtes Wintergrün zu seiner Kleidung hat
So kennstu doch die Glut die aus den Zeilen blicket
Mehr roth als eine Nelck hell als ein Rosenblat.
Es hat die Flora zwar die Bilder ihrer Auen
Der Gärte Bluhmenwerck entzogen unsrer Lust
Noch dennoch heist die Lieb ein Paradiß aufbauen
Dem die Veränderung der Zeiten nicht bewust.
So muß der Winter auch zu einem Frühling werden
Und in dem Hertzen stets ein warmer Sommer seyn
Ja deiner Augenstral und freundliche Geberden
Sind mir mehr angenehm als aller Sonnenschein.
So bald nur deine Hand wird meinen Brieff berühren
Ob gleich die strenge Lufft schon mit Gefröste dreut
So wirstu gar gewiß wie ich muß brennen spüren
Und wie dem
Doch kanstu ohn Gefahr eröffnen was geschrieben
Hier hemmt uns kein Verbot noch schäles Angesicht
Der gantze Innhalt ist ich muß dich ewig lieben
Mein Dencken und mein Thun ist bloß auf dich gericht
Und heute kommt der Tag der uns wird mehr verbinden
Und dieses Bündnüsses ein kräfftig Zeuge seyn:
Jhr Buhler jener Zeit mögt Eyd und Schwur erfinden
Er trifft an Heiligkeit mit dem nicht überein.
Ist nicht von jener Brunst nur lauter Asche kommen?
Wird nicht der Dido Schwerd der Sappho Felß verlacht?
Ist nicht ihr Lebens-Tacht im höchsten Schimpff verglommen?
Ertranck Leander nicht in Wellen bey der Nacht?
Nein gar ein ander Trieb regieret unsre Geister
Es brennt ein stärcker Arm die Hochzeit-Fackeln an.
Der Menschen erst erschuff und auch der Menschen Meister
Hat Oele reiner Zucht zu diesem Feur gethan.
Das selbst deß Priesters Mund wird heut andächtig segnen
Das nimmermehr verlescht und keinen Zufall kennt
In solchen Flammen wil ich dir mein Schatz begegnen
Biß daß der blasse Tod die Lebens-Geister trennt.
Jedoch du kennst mein Hertz was sol ichs mehr entdecken
Du weist ja wie du bist versichert meiner Treu
Lieb und Verlangen sinds so diesen Wunsch erwecken
Daß meine liebste Braut doch bald zu Bette sey.
Der Music süsser Klang der Safft von edlen Reben
Der Speisen Kostbarkeit ergetze Freund und Gast!
Es wird dein rother Mund mir mehr Vergnügung geben
Wenn du mich so getränckt und satt gespeiset hast.
Uns wird die Jugend schon zu neuen Freuden leiten
Und Anmuth wickelt uns in ihre Schlingen ein.
Es wird der Juno Hand das Bette zubereiten
Cupido rings umbher der Wollust Rosen streun.
Doch wo vergeh ich mich? und spiele mit Gedancken?
Hier zeucht Verschwiegenheit uns eine Decke für;
Der anberaumten Zeit gesatzte Stund und Schrancken
Die wollen daß ich nun soll eilen Schatz zu Dir.
Verzeyhe mir mein Kind ich muß den Brief beschliessen
Mein Hertz das sehnet sich gekröhnt bey dir zu stehn
Und ich wil diese Nacht dich doppelt so viel küssen
Als viel der Zeilen hier auß schneller Feder gehn.
Ich müste Marmel seyn und Stahl im Hertzen tragen
Wenn deine schöne Schrifft nicht meinen Geist ergetzt.
Du darfst mein Seelen-Freund nit erst von Blumen sagen
War doch der gantze May in deinen Brief gesetzt
Die Wörter rochen mir wie Balsam von Jeßminen
Die Reden dauchten mich ein starcker Ambra seyn.
Und was mich mehr erfreut ich sah die Liebe grünen
In unverwelckter Blüth und unbeflecktem Schein.
Ich muß mit schwacher Hand nur diß zur Antwort geben
Wann du von Flammen sagst so fühl ich eine Glut:
Nennstu mich deinen Trost so nenn ich dich mein Leben:
Dein Mund der heist mich Schatz ich dich mein höchstes Gut.
Denn weil die Tugend hat der Liebe Grund geleget
So muß Beständigkeit darauf ein Wohnhauß baun
Und weil dein Ebenbild ins Hertze mir gepräget
So solst du mich vermählt in deinen Armen schaun.
Es soll des Priesters Mund heut unsern Schluß versigeln
Es windet uns die Eh ein unzertrennlich Band:
Die Liebes-
Die lichten Funcken auf zu mehren unsern Brand.
Und weil du mir versprichst auf ewig mich zu lieben
So sol auch meine Treu der Deinen gleiche gehn
Ich würde durch die Glut durch Well und Wind getrieben
So müst ich doch bey dir als Mitgefertin stehn.
Ich wil mich höchst erfreun wird uns die Sonn anlachen
Und doch sein Wolgemuth wenn gleich der Himmel weynt:
Ich wil die Sorgen Dir mit Liebe leichter machen
Und weisen wies mein Hertz bey allen Fällen meynt.
Es mag die Arria die graue Zeit erheben
Laodami in Ruhm bey ihrem Ehman blühu
Ich will an Pflicht und Treu auch Diesen nicht nachgeben
Und umb den Siges-Krantz der Liebe mich bemühn.
Was aber säum ich mich das Braut-Kleid anzulegen
Ich weiß dein Hertze wünscht und sehnet sich nach mir.
Die Liebe läst mich auch nicht lang Gespräche pflegen
Es wischt Ergetzlichkeit die Zeilen vom Papir.
Mein eintzig Aufenthalt du Leitstern meiner Sinnen
Vergib mir wo mein Brieff von keiner Anmuth gläntzt
Auß Eile kan ich nicht was Zierliches beginnen
Die Hand die dencket nur wie sie dein Haupt bekräntzt
In deinem Arm zu ruhn das ist itzt mein Verlangen
Jhr Stunden lauffet fort brich an gewünschte Nacht
Daß ich kan meinen Schatz mit einem Kuß umbfangen
Den Venus selbsten hat zum Siegelring gemacht.