Kleander und Rosellens Wechselbrieff bey dem K. und E. Hochzeit-Feste den 18. No...

By Heinrich Mühlpfort

Mein Licht ob gleich mein Brief mit Blumen nicht ge- schmücket

Und schlechtes Wintergrün zu seiner Kleidung hat

So kennstu doch die Glut die aus den Zeilen blicket

Mehr roth als eine Nelck hell als ein Rosenblat.

Es hat die Flora zwar die Bilder ihrer Auen

Der Gärte Bluhmenwerck entzogen unsrer Lust

Noch dennoch heist die Lieb ein Paradiß aufbauen

Dem die Veränderung der Zeiten nicht bewust.

So muß der Winter auch zu einem Frühling werden

Und in dem Hertzen stets ein warmer Sommer seyn

Ja deiner Augenstral und freundliche Geberden

Sind mir mehr angenehm als aller Sonnenschein.

So bald nur deine Hand wird meinen Brieff berühren

Ob gleich die strenge Lufft schon mit Gefröste dreut

So wirstu gar gewiß wie ich muß brennen spüren

Und wie dem

Doch kanstu ohn Gefahr eröffnen was geschrieben

Hier hemmt uns kein Verbot noch schäles Angesicht

Der gantze Innhalt ist ich muß dich ewig lieben

Mein Dencken und mein Thun ist bloß auf dich gericht

Und heute kommt der Tag der uns wird mehr verbinden

Und dieses Bündnüsses ein kräfftig Zeuge seyn:

Jhr Buhler jener Zeit mögt Eyd und Schwur erfinden

Er trifft an Heiligkeit mit dem nicht überein.

Ist nicht von jener Brunst nur lauter Asche kommen?

Wird nicht der Dido Schwerd der Sappho Felß verlacht?

Ist nicht ihr Lebens-Tacht im höchsten Schimpff verglommen?

Ertranck Leander nicht in Wellen bey der Nacht?

Nein gar ein ander Trieb regieret unsre Geister

Es brennt ein stärcker Arm die Hochzeit-Fackeln an.

Der Menschen erst erschuff und auch der Menschen Meister

Hat Oele reiner Zucht zu diesem Feur gethan.

Das selbst deß Priesters Mund wird heut andächtig segnen

Das nimmermehr verlescht und keinen Zufall kennt

In solchen Flammen wil ich dir mein Schatz begegnen

Biß daß der blasse Tod die Lebens-Geister trennt.

Jedoch du kennst mein Hertz was sol ichs mehr entdecken

Du weist ja wie du bist versichert meiner Treu

Lieb und Verlangen sinds so diesen Wunsch erwecken

Daß meine liebste Braut doch bald zu Bette sey.

Der Music süsser Klang der Safft von edlen Reben

Der Speisen Kostbarkeit ergetze Freund und Gast!

Es wird dein rother Mund mir mehr Vergnügung geben

Wenn du mich so getränckt und satt gespeiset hast.

Uns wird die Jugend schon zu neuen Freuden leiten

Und Anmuth wickelt uns in ihre Schlingen ein.

Es wird der Juno Hand das Bette zubereiten

Cupido rings umbher der Wollust Rosen streun.

Doch wo vergeh ich mich? und spiele mit Gedancken?

Hier zeucht Verschwiegenheit uns eine Decke für;

Der anberaumten Zeit gesatzte Stund und Schrancken

Die wollen daß ich nun soll eilen Schatz zu Dir.

Verzeyhe mir mein Kind ich muß den Brief beschliessen

Mein Hertz das sehnet sich gekröhnt bey dir zu stehn

Und ich wil diese Nacht dich doppelt so viel küssen

Als viel der Zeilen hier auß schneller Feder gehn.

Ich müste Marmel seyn und Stahl im Hertzen tragen

Wenn deine schöne Schrifft nicht meinen Geist ergetzt.

Du darfst mein Seelen-Freund nit erst von Blumen sagen

War doch der gantze May in deinen Brief gesetzt

Die Wörter rochen mir wie Balsam von Jeßminen

Die Reden dauchten mich ein starcker Ambra seyn.

Und was mich mehr erfreut ich sah die Liebe grünen

In unverwelckter Blüth und unbeflecktem Schein.

Ich muß mit schwacher Hand nur diß zur Antwort geben

Wann du von Flammen sagst so fühl ich eine Glut:

Nennstu mich deinen Trost so nenn ich dich mein Leben:

Dein Mund der heist mich Schatz ich dich mein höchstes Gut.

Denn weil die Tugend hat der Liebe Grund geleget

So muß Beständigkeit darauf ein Wohnhauß baun

Und weil dein Ebenbild ins Hertze mir gepräget

So solst du mich vermählt in deinen Armen schaun.

Es soll des Priesters Mund heut unsern Schluß versigeln

Es windet uns die Eh ein unzertrennlich Band:

Die Liebes-

Die lichten Funcken auf zu mehren unsern Brand.

Und weil du mir versprichst auf ewig mich zu lieben

So sol auch meine Treu der Deinen gleiche gehn

Ich würde durch die Glut durch Well und Wind getrieben

So müst ich doch bey dir als Mitgefertin stehn.

Ich wil mich höchst erfreun wird uns die Sonn anlachen

Und doch sein Wolgemuth wenn gleich der Himmel weynt:

Ich wil die Sorgen Dir mit Liebe leichter machen

Und weisen wies mein Hertz bey allen Fällen meynt.

Es mag die Arria die graue Zeit erheben

Laodami in Ruhm bey ihrem Ehman blühu

Ich will an Pflicht und Treu auch Diesen nicht nachgeben

Und umb den Siges-Krantz der Liebe mich bemühn.

Was aber säum ich mich das Braut-Kleid anzulegen

Ich weiß dein Hertze wünscht und sehnet sich nach mir.

Die Liebe läst mich auch nicht lang Gespräche pflegen

Es wischt Ergetzlichkeit die Zeilen vom Papir.

Mein eintzig Aufenthalt du Leitstern meiner Sinnen

Vergib mir wo mein Brieff von keiner Anmuth gläntzt

Auß Eile kan ich nicht was Zierliches beginnen

Die Hand die dencket nur wie sie dein Haupt bekräntzt

In deinem Arm zu ruhn das ist itzt mein Verlangen

Jhr Stunden lauffet fort brich an gewünschte Nacht

Daß ich kan meinen Schatz mit einem Kuß umbfangen

Den Venus selbsten hat zum Siegelring gemacht.