[KOmm längst gewünschte freuden-nacht]

By Johann von Besser

Written 1691-01-01 - 1691-01-01

KOmm längst gewünschte freuden-nacht

Als zeugin meiner Liebe

Verhülle des gestirnes pracht

Mach alles schwartz und trübe

Laß mir an statt der güldnen sterne seyn

Zwey unbefleckter augen schein.

Ich wünsche nicht dein bleiches licht

Kein Nord-stern darff mich führen

Kein glantz darff meinen augen nicht

Den weiten himmel zieren

Dieweil die glut die mich zuvor betrübt

Mir ietzt die beste klarheit giebt.

Ist das geschwinde wunder-kind

So uns die noth erreget

Nach aller köpffe meynung blind

So werd ich nichts beweget

Daß ich auff dieser unbekandten bahn

Nicht wie bey tage schauen kan.

Und ist mein auge gleich bedeckt

So schau ich doch im hertzen

Daß mir die Venus auffgesteckt

Viel flammen-reiche kertzen

Durch welcher glantz itzt mein gemüth erkiest

Was lieben und geniessen ist.

Genug die nacht erzeiget sich

Auff ihrem schwartzen throne

Die Venus selbst ermahnet mich

Mit ihrem kleinen sohne

Zu suchen die so meine freyheit fällt

Und meinen sinn gefangen hält.

Drum liebste komm und sey bereit

Die stunden haben flügel

Der Phöbus ist gewiß nicht weit

Er rühret seine zügel

Dieweil es sich nicht allzuwohl gebührt

Daß uns der tag nach bette führt.