Kunst, die Spröden zu fangen
Written 1790-01-01 - 1790-01-01
Oft führt ich sie zum Haine
Und war mit ihr alleine;
O wie war ich erfreut!
Ist je ein Paar alleine,
Ist Amor niemals weit.
Du brauchst nicht scharf zu zielen,
Die Brust ist ohnbewehrt.
Ich hab ihr, wie im Spielen,
Gar manches schon gelehrt,
Was, ohne sich zu fühlen,
Kein junges Mädchen hört.
Und kraftlos sank ihr Haupt zurücke.
Erst irrten unbestimmt die Blicke
Umher, und fielen dann auf mich,
Und eilten weg, und kamen wieder.
Sie lächelte und schlug die Augen nieder,
Ihr fühlbar Herz empörte sich
Und schickte brennendes Verlangen
In ihren Busen, auf die Wangen,
Die Wangen glühten, und der Busen stieg.
Da rief ich: „Sieg! Sieg, Amor, Sieg!“
Und der kleine getrocknete Prahler, als wenn er noch so viel bei der Sache getan hätte,
Rief, als er in die Lüfte stieg:
„Sieg! Sieg!“