Kunst gehet über kleider-pracht. S. D.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein kind dich müssen leute lieben

Vor welchen ich ein schatten bin;

Drum wundert mich es daß dein sinn

Zu meiner einfalt wird getrieben:

Es pfleget ietzt ja zu geschehn

Daß alle nur auff hochzeit sehn.

Ich weiß mich so nicht auszuputzen

Wie itzt die geile jugend thut

Und die ihr väterliches gut

Jm halben jahr offt gantz verstutzen;

Was hoch und über stands-gebühr

Da eckelt meiner seelen für.

Wie schlecht ich auch herein mag gehen

So schämest du dennoch mein licht

Dich nimmer meiner liebe nicht;

Du darffst es offentlich gestehen

Und sagst durch keines zwang und trieb:

Ja ja mein kind ich hab euch lieb.

Ich hab es Venus wissen lassen

Sie hat es Amorn kund gethan

Die haben ihre lust daran

Und lieben dich auch bester massen

Daß du o frommer seelen lust

So treu und redlich bey mir thust.

Gehabt euch wohl ihr stoltzen pfauen!

Ich kenn und liebe wenig gold

Und dennoch ist mir treu und hold

Die zier und crone der jungfrauen

Die mehr auff ein berühmtes lied

Als auff vergüldte kleider sieht.