L eib - Aria Mademoiselle. H.

By Christian Friedrich Hunold

Meine Losung heist Vergnügen

Und die allzeit frohe Brust

Kan kein Ungelück besigen

Denn mir bleibet unbewust

Wie sich andre in der Seelen

Uber ihr Verhängniß quälen.

Was der Himmel hat beschlossen

Nehm' ich allzeit willig an.

Denn sich kräncken sind nur Possen

Weil man es nicht ändern kan.

Und es muß nach Sturm und Krachen

Doch die Sonne wieder lachen.

Sucht mich Amor zu berücken

Denck ich doch in meinen Sinn

Eben so muß mirs gelück

Der Verlust ist mein Gewinn.

Ich bin noch darzu vergnüget

Daß es sich so mit mir füget.

Mein Gemüthe liebt die Schätze

So der Tugend Reichthum schenckt.

Und wer in der Falschheit Netze

Und an Laster-Stricken henckt

Den soll meine Seele neiden

Und als Gifft und Schlangen meiden.

Falsche Mäuler mögen reden

Wenn mich gleich Verläumdung trifft.

Denn es saugen auch die Kröten

Aus den schönsten Blumen-Gifft.

Ich will allen Neid verhönen

Und mich mit der Tugend krönen.

Viele gehn auf harten Wegen

Die in schlechten Gücke stehn.

Ich will auf den Freuden-Stegen

Und auf lauter Liljen gehn.

Müssen manchmahl Dornen stechen

Wird die Zeit auch Rosen brechen.

Geh Melancholey Von hinnen

Und ihr Sorgen packet euch:

Denn ich bau in meinen Sinnen.

Mir ein irrdisch Himmelreich.

Nichts kan mein Gemüht besiegen

Weil die Losung heist vergnügen.