La Valiere an den könig Ludewich.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Was mein großmächtgster wil in dem was er geschriben

Ist etwas so ich nicht erst heut beginnen kan

Sein gantzer brieff begehrt ich soll den König lieben

Und dessen kühne magd hats schon vorläugst gethan.

Nunmehr verstreicht ein jahr das ich mich unterwunden

Die sonne Galliens vermessen anzusehn

Ach aber daß mein hertz hirmit zugleich empfunden

Wie sich kein schlechtes wachs zur sonne soll erhöhn.

Mein auge dadurch ich von seinen bin entglommen

Weil es ein sonnen-licht und meins ein brennglaß war

Ist offt mit thränen-fluth der glut zu hülffe kommen

Sonst wär ich asche schon vermodert gantz und gar.

Dann ich den lichten brand dazu verhölen müssen

Nachdem geweyhtes oel der Vesten ihn erweckt

Wer aber solchen gast im leibe wil verschliessen

Ist einer der da feur mit höltzern kappen deckt.

Ich hielt mit brunst und kunst das heiligthum zusammen

Und dessen funcken hatt ich vom altar entwandt

Mein hertze brandte kurtz von Königlichen flammen

Wer hätte deun der welt dergleichen raub bekandt?

Wenn aber sich mein herr beginnet zu vertrauen

Und Valieren selbst der Vesten feur vergönt;

Läst sie sein grosses aug auch ihren tempel schauen

Wo alles was er siht ihm hat gebrannt und brennt

Die brust ist lamp und herd die flammt von liebes-oele

Und deren pristerin des Königs küne magd

Der abgott dessen bild das opffer meine seele

Nun Valiere hat zur gnüg mein fürst gesagt.

Allein was wil der Printz von purpur sich entkleiden

Sein reich und land verschmähn um mich sich gleich zu sehn?

Die Lilgen müssen nicht aus ihren feldern scheiden

Und unsre liebe kan durchs scepter nur bestehn.

Die crone die er trägt ist sicherer zu küssen

Als legt ich meinen mund gemeinen lippen bey

Mich träte bald der hoff viel tausendmal mit füssen

Würd dieses nicht bekandt daß ich des Königs sey.

Und hat mein leib als perl in muscheln nicht gelegen

Macht er als Diamant mich doch zum edelstein

Denn weil ein Phönix sich verbrennt um meinetwegen

Muß ich nach dessen brandt ja auch ein Phönix seyn.

Wird thon nicht letzt zu ertzt wenn mans in gold eintauchet

Wenn mich mein Zevs vergüldt wie werd ich denn nicht gold?

Es gilt ein jedes ding nachdem es einer brauchet

So bleib ich ja nicht schlecht wenn mir der könig hold.

Doch schwer ich daß ich ihn nicht als den könig liebe

Mein auge siht auf ihn und seine crone nicht

Die anmuth die ihn regt ist hier des Adams ribe

Die mein verliebter geist aus seiner seiten bricht.

Die welt rühmt fürsten wol nach ihren land und leuten

Nach dem ihr gräntzestein der reiche sich erstreckt

Und unsre ehrfurcht schaut ihr anmuth nur von weiten

Wenn auch der fürstenhut der grossen mängel deckt.

Ich aber lasse mich von keinen Purpur blendem

Ich nehme die person nicht ihren thron in acht

Sein kleinod und sein reich setz ich aus seinen händen

So sind ich allererst was mich verliebt gemacht.

Mein König wär es nicht die billigkeit erzürnen

Dem reiche zu entziehn was dessen würdig ist

So spräch ich: wär er doch gezeugt von einer dirnen

Denn mit bestande wird ein gleicher mund geküst.

Urtheile nun mein printz wie weit ich mich verstigen

Und was die liebe nicht für frembde wunder stifft?

Ein Zeifig macht sich auf dem Adler nachzusligen

Und es gelingt ihm auch daß er die sonne trifft.

Ach möchte diese huld auf ewig mir verbleiben

Der himmel der sich regt bewegt uns auch mit sich

Wie leichte kan ein wind ein schiff zurücke treiben

Das erstlich durch die fluht mit vollem segel strich

Die schönheit die er rühmt an meinen blassen wangen

Ist nichts als sein betrib und wär sie gleich auch was

Ist dieser flüchtge Klee doch alsobald vergangen

Denn in dem liebes-May wächst und vergeht dis graß.

Die rose selbst verbleicht wie röthliche Corallen

Und mit der zeit verlirt auch Bisam den geruch

Wil der gemahlin aug ihm schon nicht mehr gefallen

Was wird mein spiegel seyn bekommt er einen bruch?

Er hat princeßinnen mich gnädigst vorgezogen

Vielleicht bestreichet ihn die reue dieser wahl.

Das wasser scheint Scarlat im fernen regenhogen

Und was mein printz erkiest ist nur ein leerer thal,

Worauf des eckels gifft muß unausbleiblich toben

Wenn auch genoßne kost stinckt satte mäuler an.

Der Adler dessen flug die Auster-schal erhoben

Zeigt daß er wiederum sie fallen lassen kan.

Wiewohl man sicher darf dem grossen Ludwich trauen

Der grundstein Galliens bewegt sich nimmer nicht

Was er einmahl verspricht darauf ist fest zu bauen

Und dieses ists was mich zu seinem willen bricht.

Dem alles zugehört darff ohne dem nichts kauffen

Was bittet unser Fürst der nur befehlen darff.

Und mein gekürtzter fuß kan ihm auch nicht entlauffen

Er reichet viel zu weit und lief ich noch so scharf.

Drum lieb ich meinen printz mit ungezwungnen hertzen

Hier schwilt die matte brust hier lechzt der durstge mund

Der wechsel seiner eh erweckt mir keine schmertzen

Gnug daß verbotne frucht geteilt mir wird vergunt.

Der Königin der er alleine solte leben

Erlaub ich willig halb was ihr gantz zugehört;

Zumal mein mächtigster das was er ihr muß geben

An Valieren stets verdoppelt und vermehrt.

Der edle Zimmet-baum trägt desto bessern Zimmet

Je öffter man von ihm die kräfftge rinde schneidt

Hat nun mein Zevs mir offt zu regnen sich bestimmet

So weiß ich daß ihm lust auch offt die schaale beut.

Also erschreck ich nicht vor sturm und ungewittern

Der mich beschützen kan fährt hier in hafen ein

Und warum solt ich auch für ungemach erschüttern

Wer einen helden liebt muß selbst auch heldin seyn.