La Valiere an den könig Ludewich.
Was mein großmächtgster wil in dem was er geschriben
Ist etwas so ich nicht erst heut beginnen kan
Sein gantzer brieff begehrt ich soll den König lieben
Und dessen kühne magd hats schon vorläugst gethan.
Nunmehr verstreicht ein jahr das ich mich unterwunden
Die sonne Galliens vermessen anzusehn
Ach aber daß mein hertz hirmit zugleich empfunden
Wie sich kein schlechtes wachs zur sonne soll erhöhn.
Mein auge dadurch ich von seinen bin entglommen
Weil es ein sonnen-licht und meins ein brennglaß war
Ist offt mit thränen-fluth der glut zu hülffe kommen
Sonst wär ich asche schon vermodert gantz und gar.
Dann ich den lichten brand dazu verhölen müssen
Nachdem geweyhtes oel der Vesten ihn erweckt
Wer aber solchen gast im leibe wil verschliessen
Ist einer der da feur mit höltzern kappen deckt.
Ich hielt mit brunst und kunst das heiligthum zusammen
Und dessen funcken hatt ich vom altar entwandt
Mein hertze brandte kurtz von Königlichen flammen
Wer hätte deun der welt dergleichen raub bekandt?
Wenn aber sich mein herr beginnet zu vertrauen
Und Valieren selbst der Vesten feur vergönt;
Läst sie sein grosses aug auch ihren tempel schauen
Wo alles was er siht ihm hat gebrannt und brennt
Die brust ist lamp und herd die flammt von liebes-oele
Und deren pristerin des Königs küne magd
Der abgott dessen bild das opffer meine seele
Nun Valiere hat zur gnüg mein fürst gesagt.
Allein was wil der Printz von purpur sich entkleiden
Sein reich und land verschmähn um mich sich gleich zu sehn?
Die Lilgen müssen nicht aus ihren feldern scheiden
Und unsre liebe kan durchs scepter nur bestehn.
Die crone die er trägt ist sicherer zu küssen
Als legt ich meinen mund gemeinen lippen bey
Mich träte bald der hoff viel tausendmal mit füssen
Würd dieses nicht bekandt daß ich des Königs sey.
Und hat mein leib als perl in muscheln nicht gelegen
Macht er als Diamant mich doch zum edelstein
Denn weil ein Phönix sich verbrennt um meinetwegen
Muß ich nach dessen brandt ja auch ein Phönix seyn.
Wird thon nicht letzt zu ertzt wenn mans in gold eintauchet
Wenn mich mein Zevs vergüldt wie werd ich denn nicht gold?
Es gilt ein jedes ding nachdem es einer brauchet
So bleib ich ja nicht schlecht wenn mir der könig hold.
Doch schwer ich daß ich ihn nicht als den könig liebe
Mein auge siht auf ihn und seine crone nicht
Die anmuth die ihn regt ist hier des Adams ribe
Die mein verliebter geist aus seiner seiten bricht.
Die welt rühmt fürsten wol nach ihren land und leuten
Nach dem ihr gräntzestein der reiche sich erstreckt
Und unsre ehrfurcht schaut ihr anmuth nur von weiten
Wenn auch der fürstenhut der grossen mängel deckt.
Ich aber lasse mich von keinen Purpur blendem
Ich nehme die person nicht ihren thron in acht
Sein kleinod und sein reich setz ich aus seinen händen
So sind ich allererst was mich verliebt gemacht.
Mein König wär es nicht die billigkeit erzürnen
Dem reiche zu entziehn was dessen würdig ist
So spräch ich: wär er doch gezeugt von einer dirnen
Denn mit bestande wird ein gleicher mund geküst.
Urtheile nun mein printz wie weit ich mich verstigen
Und was die liebe nicht für frembde wunder stifft?
Ein Zeifig macht sich auf dem Adler nachzusligen
Und es gelingt ihm auch daß er die sonne trifft.
Ach möchte diese huld auf ewig mir verbleiben
Der himmel der sich regt bewegt uns auch mit sich
Wie leichte kan ein wind ein schiff zurücke treiben
Das erstlich durch die fluht mit vollem segel strich
Die schönheit die er rühmt an meinen blassen wangen
Ist nichts als sein betrib und wär sie gleich auch was
Ist dieser flüchtge Klee doch alsobald vergangen
Denn in dem liebes-May wächst und vergeht dis graß.
Die rose selbst verbleicht wie röthliche Corallen
Und mit der zeit verlirt auch Bisam den geruch
Wil der gemahlin aug ihm schon nicht mehr gefallen
Was wird mein spiegel seyn bekommt er einen bruch?
Er hat princeßinnen mich gnädigst vorgezogen
Vielleicht bestreichet ihn die reue dieser wahl.
Das wasser scheint Scarlat im fernen regenhogen
Und was mein printz erkiest ist nur ein leerer thal,
Worauf des eckels gifft muß unausbleiblich toben
Wenn auch genoßne kost stinckt satte mäuler an.
Der Adler dessen flug die Auster-schal erhoben
Zeigt daß er wiederum sie fallen lassen kan.
Wiewohl man sicher darf dem grossen Ludwich trauen
Der grundstein Galliens bewegt sich nimmer nicht
Was er einmahl verspricht darauf ist fest zu bauen
Und dieses ists was mich zu seinem willen bricht.
Dem alles zugehört darff ohne dem nichts kauffen
Was bittet unser Fürst der nur befehlen darff.
Und mein gekürtzter fuß kan ihm auch nicht entlauffen
Er reichet viel zu weit und lief ich noch so scharf.
Drum lieb ich meinen printz mit ungezwungnen hertzen
Hier schwilt die matte brust hier lechzt der durstge mund
Der wechsel seiner eh erweckt mir keine schmertzen
Gnug daß verbotne frucht geteilt mir wird vergunt.
Der Königin der er alleine solte leben
Erlaub ich willig halb was ihr gantz zugehört;
Zumal mein mächtigster das was er ihr muß geben
An Valieren stets verdoppelt und vermehrt.
Der edle Zimmet-baum trägt desto bessern Zimmet
Je öffter man von ihm die kräfftge rinde schneidt
Hat nun mein Zevs mir offt zu regnen sich bestimmet
So weiß ich daß ihm lust auch offt die schaale beut.
Also erschreck ich nicht vor sturm und ungewittern
Der mich beschützen kan fährt hier in hafen ein
Und warum solt ich auch für ungemach erschüttern
Wer einen helden liebt muß selbst auch heldin seyn.