Laß ruhn die Toten

By Adelbert von Chamisso

Written 1809-01-01 - 1809-01-01

Es ragt ein altes Gemäuer

Hervor aus Waldesnacht,

Wohl standen Klöster und Burgen

Einst dort in herrlicher Pracht.

Es liegen im kühlen Grunde

Behauene Steine gereiht:

Dort schlummern die Frommen, die Starken,

Die Mächt'gen der alten Zeit.

Was kommst du bei nächtlicher Weile

Durchwühlen das alte Gestein?

Und förderst herauf aus den Gräbern –

Nur Staub und Totengebein!

Unmächtiger Sohn der Stunde,

Das ist der Zeiten Lauf.

Laß ruhn, laß ruhn die Toten,

Du weckst sie mit Klagen nicht auf.