Laß Sylvia die reine glut

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Laß Sylvia die reine glut

So mir entzündet geist und blut

Dich liebste nicht zum zorn bewegen.

Wer kan für deinen augen stehn

Und unentbrannt von dannen gehn

Wenn sich des geistes trieb will regen?

Nicht falle doch der meinung bey

Daß reine liebe sünde sey

Die Gott in unser hertz geschrieben

Die selbst sein mund im paradies

In uns mit unserm athem bließ

Der uns geboten hat zu lieben.

Soll meine liebe sünde seyn

So wisse daß dein schöner schein

Zu dieser sünde mich getrieben

Und glaube daß die kluge welt

Vor leibliche geschwister hält

Die schönheit und den trieb zu lieben.

Drum folg ich der natur gebot

Ich bin kein stein und auch kein gott

Ich muß in deinen flammen brennen.

Mir ist gefesselt geist und muth

Drum will ich auch des hertzens glut

Vor Gott und dir nur frey bekennen.

Hier ist mein demuth-volles hertz

So sich verbindt in lieb und schmertz

Mit gleicher andacht dir zu dienen.

Nim Sylvia das opfer hin

Laß augen-trost in deinem sinn

Vergiß mein nicht im hertzen grünen.

Ich bleibe dein biß daß mein geist

Aus meinem reinem hertzen reist

Biß man mich wird zur leiche machen.

Laß Sylvia mein tausend-schön

Mich nur bey deinen rosen stehn

So will ich aller dornen lachen.