[Laßt Solyms Mauren]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Laßt Solyms Mauren

Voll Freude stehen

Ich will ins Trauren

Mit Jesu gehen.

Bey duncklem Schatten

Mich bey ihm zeigen

Durch Kidron watten

Den Oel-Berg steigen.

Betracht o Hertze

Mit Buß' erweichet

Ob auch ein Schmertze

Dem seinen gleichet!

Schau Jesum sitzen

Auff seinen Knihen

Und Blutt verschwitzen

Für Angst-Bemühen.

Sieh an das Sehnen

Den Zorn zu stillen

Die bittern Thränen

Um deinet willen.

Die bangen Stunden

Sieht man sich mehren:

Es wird gebunden

Der Herr der Ehren.

Das Mord-Geschlechte

Führt ihn gefangen

Gleich einem Knechte

Mit Spieß und Stangen.

Für Hohen-Priestern

Die auff ihn zielen

Gleich den Philistern

Soll Simson spielen.

Man tritt zusammen

Und suchet Zeugen

Ihn zu verdammen

Das Recht zu beugen.

Sein Warheit-sagen

Muß Schläge leyden

Man schickt die Klagen

Samt ihm dem Heyden.

Was Juden tichten

Ohn Scham-Erröthen

Soll jener richten

Und Jesum tödten.

Ihr Hertze brennet

Von Haß und Neyde

Biß er vergönnet

Daß Unschuld leyde.

Schau Jesus träget

Bedornte Krone

Wird angeleget

Zu Schimpff und Hohne

Mit einem Kleide

Voll Staub und Motten

Zur Augen-Weyde

Der die ihn spotten.

Sein Angesichte

Wird angespihen

Das allem Lichte

Ist fürzuziehen.

Man schlägt die Backen

Mit groben Händen

Die unserm Nacken

Die Straff abwenden.

Er schwimmt im Blutte

Von Peitsch und Riemen

Wird uns zu gutte

Voll rother Striemen.

Ach Mensch erbleiche!

Für deine Sünden

Muß Gott der Streiche

So viel empfinden.

Das Holtz der Plagen

Muß seinen Rücken

Mit schwerem Tragen

Zu Boden drücken.

Er wird durchgraben

An Händ und Füssen

Die Nägel haben

Sie gantz zurissen.

Er hengt verachtet

Bey Diebs-Gesinde

Lechzt und verschmachtet

Von Schmertz und Winde.

Es naht zum Ende;

Man hört das Leben

In Gottes Hände

Den Geist auffgeben.

Er schleust das Leyden

Mit lautem Ruffen

Macht durch sein Scheiden

Den Himmel offen.

Die offne Seite

Vom Speer durchritzet

Wird zum Geleite

Das allen nützet:

Flutt Blutt gemenget

Fliest zu der Erden

Wen diß besprenget

Kan selig werden.

Solch Labsal fange

Betrübte Seele

Wenn dir gedrange

Aus dieser Höle.

So wird dein Leyden

Dir leichte fallen

Und du mit Freuden

Gen Himmel wallen.