Lehre.

By Barthold Heinrich Brockes

Des Lebens wesentliches Gut ist eine Still' in unsrer Seelen,

Die, wenn man mit Vernunft verfährt, wir uns nach

Und uns zu einem Endzweck setzen. Es ist nichts nöhtigers

Als daß wir, dieser künft’gen Ruh, uns, so viel möglich

Die Lust und Reitzung auf zu opfern, die uns die Gegen-

Und uns dadurch stürtzen pfleget, eh’ oft kaum wenig

Es müste keine Leidenschaft so lebhaft und so reitzend

Daß sie, durch sich, uns hindern sollte, das Urtheil nicht

Das, über unser Thun und Lassen, dereinst wird von uns

Wenn eine kurtze Trunckenheit den Uberlegungen wird

Die ihr stets pflegen nachzufolgen. Vielleicht wirfst du

Soll denn ein Trunckener so gut, als ob er nüchtern wäre,

Das ist ja schlechter dings nicht möglich. Doch hör’! ein

Nimmt sich doch auch beym Trunck in acht, in Spott und

Als wie ein wilder Trunckenbold, der stets dadurch in

Drum brauch (jetzt siehst du daß ich dich nicht mit zu stren-

Der gegenwärt’gen Lust! doch so: daß sie der künftigen