Lehrender Schau-Platz in Ritzebüttel.
Es wird von einem grünen Schau-Platz das hoch erhabne
Schloß umringet,
Der mit den Fenstern gleicher Höh’. Auf diesem Schau-
Platz sahe man,
Als wie aus einer Gallerie, manch lehrreich Schau-Spiel
öfters an,
Das denen, die mit Ernst drauf achten, so Nutzen als Ver-
gnügen bringet.
Es ist der Schau-Platz so errichtet, von solcher Höhe,
so bequehm,
Daß man, aus unsern offnen Fenstern, auf selbigen, recht
angenehm,
Die Spieler spielen sehen kann.
Es stellt das grünende Theater die Unschuld, Ruhe, Lust
und Zier
Des Sorgen- losen Hirten-Standes recht lebhaft und natür-
lich für.
Die hier agirende Personen erbauen, durch ihr Beyspiel,
mehr,
Wenn wir auf ihr Betragen achten,
Die Eintracht, die Verträglichkeit, die Sanftmuht und
Geduld betrachten,
Als wenn, mit eitelm Wort-Gepränge, aus einer trocknen
Sitten-Lehr,
Die, der sie lehret, selbst nicht hält, viel’ öfters uns viel
Prahlens machten.
Damit in diesem schönen Schau-Spiel auch alles nicht
zu traurig sey,
Und uns die Zeit nicht lange daure, sind kleine Harlequins
dabey,
Die, mit poßierlichem Gehüpf, mit schnellen und gekrümmten
Sprüngen,
Den Schauern mancherley Vergnügen, bey ernstlichen
Gedanken, bringen.
Des holden Schau-Spiels Titel ist:
der Unschuld Bild.
Doch halt! es sey dir, liebster Leser! die Wahrheit länger
nicht verhüllt.
Der Schau-Platz ist ein grüner Wall. Die hier agirende
Personen
Sind eine Heerde frommer Schafe, nebst ihrer jungen
Lämmer Schaar,
Die hier, recht zwischen hohles Erz, GOtt Lob! nur grüssen-
der Canonen,
Die Nahrung überflüßig finden, ohn’ alle Sorgen, ohn’
Gefahr.
Jhr ruhiger zufried’ner Stand, ihr sanft- und Sorgen- loses
Leben
Hat meinem aufgebrachten Sinn, wenn Leidenschaften sich
erheben,
Und mir die Ruhe rauben wollten, die ruhige Gelas-
senheit
Gar öfters wieder hergestellt. Wie, dacht’ ich, will ich meine
Zeit
Denn unvernünftiger, als sie, weil ich vernünftig bin, ver-
bringen?
Soll ihnen Ruh’ aus Unverstand, mir Unruh’ aus Vernunft,
entspringen;
So diente ja des Himmels Gabe mir weniger zur Gab’ als
Strafe?
Ich will denn eurem Beyspiel folgen, gelaßne und zufriedne
Schafe,
Und mich dem Gram und Unvergnügen, bey so viel Gutem,
zu entzieh'n,
Und meines Lebens froh zu werden, so viel mir möglich, mich
bemüh'n.