Leichen-Gedichte Bey Beerdigung Fr. B. E. v. R. g. B. den 6. April. 1676.

By Heinrich Mühlpfort

Welch Ungewitter hat den Garten so verheeret?

Der vor ein Paradieß der schönsten Blumen war

Da die Ergötzligkeit stets neue Lust gebahr

Und den die Liebe selbst mit ihrem Thau ernehret.

Wie! irr ich oder deckt ein Nebel mein Gesicht?

Daß ich den werthen Ort schau ohne Glantz und Licht.

Ach ja! ich sehe nichts als blasse Wermuth-Sträuche

Die Bäthe sonder Lust die Felder sonder Zier

Der Eppich sprost allein das Todten-Kraut herfür

Und öde Wüsteney wohnt in der Chloris Reiche:

Die Lufft wird von dem Stral der Sonnen nie beblickt

Noch durch den süssen Hauch der Westen einst erquickt.

Man hört die Vögel nicht erfreute Lieder singen.

Als Echo nur allein erthönt ein kläglich Ach!

Die Bäche lauffen dem mit trüben Fusse nach

Und dicke Finst ernüß will auch den Tag verdringen

Die Nacht so nichts als Furcht und Schrecken in sich führt

Wird durch die göldne Glut der Sterne nie geziert.

Ist diß der Platz der Noth? Sind diß die Trauer-Felder

Wo bleiche Kümmernüß ihr Lager schläget auf?

Wo innig Seelen-Leid und Jammer kömmt zuhauff?

Ach welch Verhängnüß zeigt mir die Cypressen-Wälder!

Ein mehr als menschlich Zug läst mich nicht weiter gehn

Ich fühle meinen Fuß bey kalten Leichen stehn

Hilff Himmel! welch ein Volck von den verblasten Schaaren

Nimmt mich auch wider Wunsch zum Reißgeferten an.

Ja Morta tröstet mich wo diese trösten kan

Es solte mir kein Leid noch übel wiederfahren.

Sie wolte mir geheim als Herrscherin der Zeit

Vertrauen ihrer Burg verschloßne Herrligkeit.

Mir brachten nichts als Furcht die schlotternde

Als ihr verwester Arm die Schlösser stieß entzwey

Und wie die Thüren nun von Band und Ketten frey

Sprach sie: Betrachte hier die sterbliche

So viel man noch von Asch und leeren Särchen sieht

Das ist der Uber-Rest von denen die geblüht.

Hier schläffet Feind und Freund einander an der Seiten

Und die gekrönte Macht ruht bey geringem Stand

Den Scyth und Indian bedeckt ein gleicher Sand

Haß Liebe Neid und Ruhm Furcht Jammer Krieg und Strei-

Und was vor Sorgen mehr der Menschen Hertz gequält

Sind der Vergessenheit nun gäntzlich zugezehlt.

Doch daß du gleichwol siehst wie Tugend nicht ersterbe

Getreuer Liebe Licht brenn' auf deß Grabes-Nacht

Wie ihr Gedächtnüß noch sich Ehren-Tempel macht

Und nur den blossen Leib den Würmen gibt zum Erbe

So folg: und alsobald nimmt ein Gewölb

Von dessen Leichen-Schmuck ich nicht wol melden kan.

Ich sah’ umb eine Baar vier Klage-Weiber stehen

Die so der

Der Zweygeschloßne Händ’ hub mit der Spitz empor.

Es ließ die

Das sie auf dem Altar deß Hertzens stets aufbließ

Worbey die

Es schloß die

Nimm sagte Morta mir diß Traurspiel wol in acht

Göttinnen haben sich umb diesen Sarg gemacht.

Der Abgestorbnen Ruhm und Tugend zu erheben.

Und wo dein Auge nicht in den

So mercke wessen Tod die dunckle Deutung zeugt:

Die Wort’ erweckten mir noch immer mehr Begierden

Als an der nächsten Wand ein Sinnen-Bild erschien

Der Monde so verblast mit Beyschrifft: Es ist hin

Deß Hauses heller Glantz samt aller Stralen Zierden.

Nicht unweit stand ein Baum auff dessen dürren Ast

Die Turteltaub:

Dort sanck die

Mit Thränen geh ich auf mit Thränen geh ich ein

Mit Thränen muß ich auch im Tode fruchtbar seyn.

Zwey

Die lagen gantz entzwey die Seiten sprungen ab

(grab.

Der Wahlspruch drüber war:

Unweit sah ich ein

Durch dessen Mittel-Punct ein spitzig

Mit Beysatz:

Und weiter wuchs

Die Uberschrifft kam so:

(gut.

Und bittres Thränen-Saltz ist jetzt mein höchstes

Ich eilte furchtsam fort mehr Sprüche nachzulesen

Als meine Führerin den Vorsatz unterbrach

Und rieff: Ach sinne doch den Sachen tieffer nach

Versteh durch meine Gunst wer diese sey gewesen

Die jetzt

Und die die gantze Stadt deß Lebens würdig schätzt.

Es hat die Sonne noch den Thier-Kreiß nicht durchrennet

Als diese

Des Himmels Meisterstück der Freundligkeit Saphier

Von reiner Liebes-Glut

Durch das hochheilge Band der Eh sich ihm vermählt

Und nichts als Freud und Lust in diesem Stand gezehlt.

Ach aber ach! wie spielt das himmlische

Und mischt die Aloe deß Lebens-Zucker ein!

Ach daß der

Und sich sein Silber-Glantz verkehrt in Leichen-Blicke!

Der einen Himmel Lust

Sinckt ach unendlich Leid! ins Grabes schwartze Nacht.

Die Turteltaube flieht von ihrem liebsten Gatten.

Die keusche

Man mit Verwunderung sah in dem Garten stehn

Muß von deß Todes Hitz und Brennen gantz ermatten;

Wer sieht nicht wie ihr Haupt eh’ es zur Erden sinckt

Mit einem Liebes-Blick noch nach

Die Blume die so viel Ergetzligkeit gegeben

Und einen gantzen May der Anmuth fürgestellt

Zu der die Morgen-Röth im Purpur sich gesellt

Umb die die Liebe pflag als Nachbarin zu schweben

Stürtzt jetzt

Macht seinen Port der Lust zu einer Thränen-See.

Der wolgestimmte Klang von gleich-gesinnten

Verstimmt deß Todes Hand so daß die Harmonie

Mit lauterm Winseln schleust: Die

So vor als ein

Den Eh, Schatz an sich zog bringt desto mehr Verlust

Weil für den Seelen-Rieß kein Pflaster ist bewust.

Das Trauren wandelt ihn fast

Umb welch ohn unterlaß die Jammer-Welle schlägt.

Ich den mein Auge noch mehr wahrzunehmen trägt

Leß’ eine neue Schrifft:

Worunter eine Kron mit Sieges-Zweigen lag

Der sich gantz Morgenland an Werth nicht gleichen mag.

Mehr sah’ ich einen Baum voll herrlicher Granaten

Die schönste borst’ entzwey:

Auf daß nur meine Frucht zum Leben möge blühn.

Und wie ich embsig bin diß Rätzel zuerrathen

Sagt Libitina mir: Der Außgang zeuge frey

Daß er der

So muß der Seiden-Wurm sein eigen

So flöst der Pelican sein Blut den Jungen ein.

Ja Hochbekümmerter der müst ein Marmel seyn

Der hier auß Beyleid nicht die Thränen liesse rinnen.

Sein Kind ist Mutterloß er sieht sich ohne Schatz:

Heist dieser Zustand nicht der Schmertzen Sammel-Platz?

Jedoch was will er sich dem Leiden überlassen

Es geht die

Geneust dort in der Höh der Ewigkeiten May

Und sieht die Engel sich mit Wonn und Lust umbfassen;

Lernt wie die Blumen-Lust so hier ihr Garten wieß

Nur sey ein Schattenwerck für jenem Paradieß.

Der immer-grüne Buchs die dunckelen Cypressen

Der Cedern ewig Haar und was sonst Gräber schmückt

Ist unnoth weil sein Hertz in sich ihr Bildnüß drückt

Betrübtster und der Ruhm der Tugend unvergessen.

Vergebens daß man will das Grab mit Schmuck umbziehn,

Macht doch deß HErren Wort die Todten-Beine grün.