Leichen-Gedichte Bey Beerdigung Fr. B. E. v. R. g. B. den 6. April. 1676.
Welch Ungewitter hat den Garten so verheeret?
Der vor ein Paradieß der schönsten Blumen war
Da die Ergötzligkeit stets neue Lust gebahr
Und den die Liebe selbst mit ihrem Thau ernehret.
Wie! irr ich oder deckt ein Nebel mein Gesicht?
Daß ich den werthen Ort schau ohne Glantz und Licht.
Ach ja! ich sehe nichts als blasse Wermuth-Sträuche
Die Bäthe sonder Lust die Felder sonder Zier
Der Eppich sprost allein das Todten-Kraut herfür
Und öde Wüsteney wohnt in der Chloris Reiche:
Die Lufft wird von dem Stral der Sonnen nie beblickt
Noch durch den süssen Hauch der Westen einst erquickt.
Man hört die Vögel nicht erfreute Lieder singen.
Als Echo nur allein erthönt ein kläglich Ach!
Die Bäche lauffen dem mit trüben Fusse nach
Und dicke Finst ernüß will auch den Tag verdringen
Die Nacht so nichts als Furcht und Schrecken in sich führt
Wird durch die göldne Glut der Sterne nie geziert.
Ist diß der Platz der Noth? Sind diß die Trauer-Felder
Wo bleiche Kümmernüß ihr Lager schläget auf?
Wo innig Seelen-Leid und Jammer kömmt zuhauff?
Ach welch Verhängnüß zeigt mir die Cypressen-Wälder!
Ein mehr als menschlich Zug läst mich nicht weiter gehn
Ich fühle meinen Fuß bey kalten Leichen stehn
Hilff Himmel! welch ein Volck von den verblasten Schaaren
Nimmt mich auch wider Wunsch zum Reißgeferten an.
Ja Morta tröstet mich wo diese trösten kan
Es solte mir kein Leid noch übel wiederfahren.
Sie wolte mir geheim als Herrscherin der Zeit
Vertrauen ihrer Burg verschloßne Herrligkeit.
Mir brachten nichts als Furcht die schlotternde
Als ihr verwester Arm die Schlösser stieß entzwey
Und wie die Thüren nun von Band und Ketten frey
Sprach sie: Betrachte hier die sterbliche
So viel man noch von Asch und leeren Särchen sieht
Das ist der Uber-Rest von denen die geblüht.
Hier schläffet Feind und Freund einander an der Seiten
Und die gekrönte Macht ruht bey geringem Stand
Den Scyth und Indian bedeckt ein gleicher Sand
Haß Liebe Neid und Ruhm Furcht Jammer Krieg und Strei-
Und was vor Sorgen mehr der Menschen Hertz gequält
Sind der Vergessenheit nun gäntzlich zugezehlt.
Doch daß du gleichwol siehst wie Tugend nicht ersterbe
Getreuer Liebe Licht brenn' auf deß Grabes-Nacht
Wie ihr Gedächtnüß noch sich Ehren-Tempel macht
Und nur den blossen Leib den Würmen gibt zum Erbe
So folg: und alsobald nimmt ein Gewölb
Von dessen Leichen-Schmuck ich nicht wol melden kan.
Ich sah’ umb eine Baar vier Klage-Weiber stehen
Die so der
Der Zweygeschloßne Händ’ hub mit der Spitz empor.
Es ließ die
Das sie auf dem Altar deß Hertzens stets aufbließ
Worbey die
Es schloß die
Nimm sagte Morta mir diß Traurspiel wol in acht
Göttinnen haben sich umb diesen Sarg gemacht.
Der Abgestorbnen Ruhm und Tugend zu erheben.
Und wo dein Auge nicht in den
So mercke wessen Tod die dunckle Deutung zeugt:
Die Wort’ erweckten mir noch immer mehr Begierden
Als an der nächsten Wand ein Sinnen-Bild erschien
Der Monde so verblast mit Beyschrifft: Es ist hin
Deß Hauses heller Glantz samt aller Stralen Zierden.
Nicht unweit stand ein Baum auff dessen dürren Ast
Die Turteltaub:
Dort sanck die
Mit Thränen geh ich auf mit Thränen geh ich ein
Mit Thränen muß ich auch im Tode fruchtbar seyn.
Zwey
Die lagen gantz entzwey die Seiten sprungen ab
(grab.
Der Wahlspruch drüber war:
Unweit sah ich ein
Durch dessen Mittel-Punct ein spitzig
Mit Beysatz:
Und weiter wuchs
Die Uberschrifft kam so:
(gut.
Und bittres Thränen-Saltz ist jetzt mein höchstes
Ich eilte furchtsam fort mehr Sprüche nachzulesen
Als meine Führerin den Vorsatz unterbrach
Und rieff: Ach sinne doch den Sachen tieffer nach
Versteh durch meine Gunst wer diese sey gewesen
Die jetzt
Und die die gantze Stadt deß Lebens würdig schätzt.
Es hat die Sonne noch den Thier-Kreiß nicht durchrennet
Als diese
Des Himmels Meisterstück der Freundligkeit Saphier
Von reiner Liebes-Glut
Durch das hochheilge Band der Eh sich ihm vermählt
Und nichts als Freud und Lust in diesem Stand gezehlt.
Ach aber ach! wie spielt das himmlische
Und mischt die Aloe deß Lebens-Zucker ein!
Ach daß der
Und sich sein Silber-Glantz verkehrt in Leichen-Blicke!
Der einen Himmel Lust
Sinckt ach unendlich Leid! ins Grabes schwartze Nacht.
Die Turteltaube flieht von ihrem liebsten Gatten.
Die keusche
Man mit Verwunderung sah in dem Garten stehn
Muß von deß Todes Hitz und Brennen gantz ermatten;
Wer sieht nicht wie ihr Haupt eh’ es zur Erden sinckt
Mit einem Liebes-Blick noch nach
Die Blume die so viel Ergetzligkeit gegeben
Und einen gantzen May der Anmuth fürgestellt
Zu der die Morgen-Röth im Purpur sich gesellt
Umb die die Liebe pflag als Nachbarin zu schweben
Stürtzt jetzt
Macht seinen Port der Lust zu einer Thränen-See.
Der wolgestimmte Klang von gleich-gesinnten
Verstimmt deß Todes Hand so daß die Harmonie
Mit lauterm Winseln schleust: Die
So vor als ein
Den Eh, Schatz an sich zog bringt desto mehr Verlust
Weil für den Seelen-Rieß kein Pflaster ist bewust.
Das Trauren wandelt ihn fast
Umb welch ohn unterlaß die Jammer-Welle schlägt.
Ich den mein Auge noch mehr wahrzunehmen trägt
Leß’ eine neue Schrifft:
Worunter eine Kron mit Sieges-Zweigen lag
Der sich gantz Morgenland an Werth nicht gleichen mag.
Mehr sah’ ich einen Baum voll herrlicher Granaten
Die schönste borst’ entzwey:
Auf daß nur meine Frucht zum Leben möge blühn.
Und wie ich embsig bin diß Rätzel zuerrathen
Sagt Libitina mir: Der Außgang zeuge frey
Daß er der
So muß der Seiden-Wurm sein eigen
So flöst der Pelican sein Blut den Jungen ein.
Ja Hochbekümmerter der müst ein Marmel seyn
Der hier auß Beyleid nicht die Thränen liesse rinnen.
Sein Kind ist Mutterloß er sieht sich ohne Schatz:
Heist dieser Zustand nicht der Schmertzen Sammel-Platz?
Jedoch was will er sich dem Leiden überlassen
Es geht die
Geneust dort in der Höh der Ewigkeiten May
Und sieht die Engel sich mit Wonn und Lust umbfassen;
Lernt wie die Blumen-Lust so hier ihr Garten wieß
Nur sey ein Schattenwerck für jenem Paradieß.
Der immer-grüne Buchs die dunckelen Cypressen
Der Cedern ewig Haar und was sonst Gräber schmückt
Ist unnoth weil sein Hertz in sich ihr Bildnüß drückt
Betrübtster und der Ruhm der Tugend unvergessen.
Vergebens daß man will das Grab mit Schmuck umbziehn,
Macht doch deß HErren Wort die Todten-Beine grün.