Letzte abschiedes-schrifft als er sie gäntzlich verlassen muste.
Arminde glaube mir ich bin mit angst umschlossen
Verdruß und ungemach will mein gefehrte seyn
Es stellt sich ach! und weh! als nachbar bey mir ein
Der schmertz kommt hauffen-weiß auf mich herzu geflossen.
Die seele wird betrübt; die pfeiler der gedancken
So liebe hoffnung furcht als schwestern unterstützt
Die sincken allgemach mein hertze wird erhitzt
Es wallet hin und her aus den gesetzten schrancken.
Der gantze leih wird matt die glieder trifft ein zittern
Es schlägt die gröste pein in meiner seelen aus
Durch schwartzes trauren wird bestürmt der sinnen hauß
Ein harter unglücks-strahl will meine brust erschüttern.
Ja selbst den blassen mund hält ein betrübtes schweigen
Indem die zunge mir durch wehmuth wird gehemmt
Mit bleichem kummer wird mein geist fast übersch wemmt
Der jammer will mich auch bis zu der erden beugen.
Kaum kan die krancke faust noch hier die feder führen;
Doch wann kein süsses wort auf diese blätter fällt;
So wisse daß der schmertz sie auch gefangen hält
Und nichts als angst sich will in ihren adern rühren.
Armind ich schreibe zwar doch ohne hertz und sinnen
Ich kenne mich nicht mehr ich weiß nicht was ich thu
Die seele bebt in mir; Mein hertz ist sonder ruh
Wann geist und seele fällt was kan ich wohl beginnen?
Ach daß der himmel mich zu seinem spiel erkohren!
Daß nichts als ungemach auf meinen scheitel blitzt!
Ach daß die erde selbst sich wieder mich erhitzt
Und alle wetter sich auf meinen kopff verschworen!
Doch grosser himmel halt halt ein mit deinem knallen
Hemm deines zornes fluth brich deine starcke macht
Und gönne daß ich erst Armindens schönster pracht
Mit einem abschieds-gruß zu füssen möge fallen.
Hier stuckt dein armer knecht voll schmertzen zu der erden
Arminde schau ihn noch zuletzt mit wehmuth an
Und lerne wie ihn ietzt der himmel straffen kan
Mit harter seelen-pein und tausend angst-beschwerden.
Der dich sein leben hieß der wird von dir gerissen
Der dich du weist es doch mehr als sich selbst geliebt
Der wird durch diesen riß biß auf den todt betrübt
Was hab ich wohl gethan daß ich so scharff muß büssen?
Darff ich Arminde noch der süssen zeit gedencken
Da mich der himmel selbst mit anmuth übergoß
Da nichts als zucker-lust durch meine geister floß
Und mich kein ungemach kein schmertz vermocht zu kräncken.
Ich war damals befreyt von allen donner-krachen
Es sah der himmel mich mit sanfften blicken an
Das glücke pflantzte mir die schönste blumen-bahn
Ich kont im haffen stehn und aller wellen lachen.
Ich sahe nichts als lust auf beyden seiten grünen
Mein mund ward abgespeißt mit süssem Ambrosin
Der himmel wolte mich mit rosenthau umziehn
Der winter muste mir auch selbst zum frühling dienen.
Dein schönstes angesicht war offt mein wollust-garten
Den selbst Cupido hat mit eigner hand bestellt
Hier sah ich allererst die wunder dieser welt
Wie lieb und anmuth sich auf deinen wangen paarten.
Mein sonnen-licht ward nie bedeckt mit finsternüssen
Der himmel zog sich stets mit lichten farben an
Und was die feder nicht aus schmertz hier schreiben kan
Das wird Arminde selbst aus meinem wesen schliessen.
Nun aber hat die lust auf einmahl sich geendet
Mein wohlergehn ist hin die freude kennt mich nicht
Ich mercke wie mein hertz vor trauren fast zerbricht
Und wie sich aller trost von meiner seelen wendet:
Es scheint ich soll nicht mehr in wollust-flammen brennen
Ich spüre nichts als angst und schwartze trauer-nacht
Und was mir noch zur zeit den grösten kümmer macht
Ist daß ich mich nun soll von meiner seelen trennen.
So zeigt der himmel mir vor sonnen ietzt Cometen
Die mit verstelltem glantz und bleich gefärbtem schein
Vor süsses wohlergehn mir lauter unfall dräun
Und selbst geflissen sind mein leben mir zu tödten.
Mein rosen-garten will in dornen sich verkehren
Der himmel schenckt mir selbst vergälten wermuth ein
Er will mir nichts als gall und Coloquinten streun;
Es scheint ich soll mich selbst in augst und pein verzehren.
Wiewohl es muß so seyn diß sind die marter-wochen
Da mir der kummer-koch mein brodt mit angst vermengt
Da er vor Nectar mich mit heissen thränen tränckt
Und meine freuden hat mit jammer unterbrochen.
Arminde denck es selbst ich muß vor leyd vergehen
Du bist mein sonnen-licht ich bin dein monden-schein
Wie kan der mond doch nun ohn seine sonne seyn?
Wie muß er nicht erblaßt ohn ihre strahlen stehen?
Gewiß mein Paradieß wird ietzt zur folter-höhlen
Das glücke stürtzet mich zu seinem stoltzen fuß
Betrachte diese pein die ich empfinden muß
Erwege doch die angst und marter meiner seelen.
Die feder ist zu schwach mein leiden vorzustellen
Die dinte wird mir selbst von vielen thränen bleich
An freuden bin ich arm an jammer aber reich
Indem die noth mir will hertz seel und geist vergällen.
Arminde schönstes bild soll ich nun von dir ziehen
Soll ich betrübt vollziehn des Grossen himmels schluß
Dem auch die gantze welt gezwungen folgen muß
So wird nur lauter angst in meinen adern glühen.
Wiewohl ich muß dich doch mein engel ietzt verlassen.
Ich muß ob wolt ich nicht ohn deine sonne stehn
Ich soll aus Eden itzt in dürre felder gehn
Es will Aegyptens nacht mit schrecken mich umfassen.
Ich muß auf ewig schon die strenge fasten halten.
Mir wird ein ieder tag ein schwartzer Sontag seyn
Es stellt kein freuden-fest sich ferner bey mir ein
Die wehmuth heißt mein hertz auch vor der zeit erkalten.
Gewiß kein Amber wird ohn deinen mund mir schmecken
Kein garten wird mir mehr ohn deine wangen blühn
Und wann der sonnen-glantz mir noch so prächtig schien
Zeigt er mir ohne dich doch nichts als trauer-decken.
Genug Arminde schau noch an die letzten zeilen
Die meine treue faust zu deinen füssen legt
Schau wie die wehmuth sich in allen sylben regt
Und wie sie voller schmertz zu deinen händen eilen.
Lästu noch einen strahl der gnaden auf sie schlessen
Und wird dein armer knecht durch einen kuß beglückt
So gläube daß mein hertz in etwas wird erquickt
Das letzt vor kummer fast in thränen will zerfliessen.