Letzter Ehren- und Liebes-Dienst Hn. L. D. den 27. Febr. 1678. erwiesen.

By Heinrich Mühlpfort

Beh' zu den Vätern hin du hast genug gelebet

Du redlich-deutscher Mann! es ist nun Zeit zu ruhn:

Du hast das Ziel erlangt wornach ein Läuffer strebet

Mau muß der Sterbligkeit auch ein Genügen thun.

Es ist kein Eigenthum das Leben nur geliehen:

Der Erb-Herr braucht sein Recht wie wenn und wo er wil:

Wir müssen Fleisch und Blut wie ein alt Kleid außziehen

Und treten von dem Platz nach außgeübtem Spiel.

Zwar du gehst Segens-voll in den beschneyten Jahren

Deß Alters höchstem Grad in das gewunschte Grab.

Du hast genug gesehn gelitten und erfahren

Und weist daß hier der Mensch kein ewig bleiben hab’.

Du zeuchst gesättiget mit einem langen Leben

Aus dieser Eitelkeit in jenes grosse Reich;

Du kanst den Deinigen mit Freuden Abschied geben

Kein Unfall kränckt dich mehr kein Kummer macht dich

Wer achtzig hingelegt ist mehr als reiff zum sterben

Das stellt uns die Natur auch in den Gärten für;

Wenn sich die Aepffel schon im höchsten Purpur färben

Heischt Wurm und Fäulnüß doch in kurtzem die Gebühr.

Das herrlichste

Verzehrt der Jahre Rest zermalmt der Zeiten Zahn.

Ein Schiff das weit gekreutzt wird leck und muß offt stranden.

Greifft die Verwesung doch Magnet und Eisen an.

Das Auge dieser Welt wird uns nicht ewig scheinen

Es sollen dermaleinst die Himmel Asche seyn.

Wie kan denn nun der Mensch erbaut von Haut und Beinen

Gehn für den Untergang ein Erb-Verbündnüß ein?

Man klagt auch wider Recht daß uns zu kurtz gegeben

Der engen Tage Brauch der Jahre Flüchtigkeit.

Es ist ein weites Feld ein Tugendhafftes Leben

Und wer will gutes thun dem mangelts nie an Zeit.

Das Alter an sich selbst ist eine schwere Bürde

Die Eckel und Verdruß als ihre Schätze weist;

Wenn ein bejahrter Greiß nun nicht erlöset würde

Verschmachtete für Angst nicht Hertze Seel und Geist?

Pflegt auff den bunten Lentz der Winter doch zu kommen

Und auffden güldnen Tag der schwartze Flor der Nacht:

So auch wenn Menschen hoch in Jahren zugenommen

So hofft man daß es heist: Es ist sein Lauff vollbracht.

Gleich wie sich allgemach ein helles Licht verzehret

So nimmt auch unser Leib an Blüth und Kräfften ab

Biß daß er Lebens-satt von allem nichts begehret

Als nur den Port der Ruh sein letztes Hauß ein Grab.

In diesem schläffst du nun

Den Krieg- und Friedens-Zeit getröstet und betrübt:

Doch konte deinen Geist kein Unfall nicht ermüden

Du hast bey harter Zeit Beständigkeit geübt.

Wie ehr’ ich doch dein Grab? Mich bindet mein Versprechen

Diß ist die letzte Pflicht so ich dir leisten kan.

Dein Schatten würde noch die Untreu an mir rächen

Daß mein Gelöbnüß ich nicht in dem Werck gethan.

Nein Schmincke dieser Welt viel Heucheley und Prangen

Den Weyrauch den man jetzt gemein bey Todten brennt

Den brauch ich nicht allhier du wirst ihn nicht verlangen

Der Fürnis wird zu bald wie schön er auch gekennt.

Die Musen mag ich nicht mit ihren Lorber-Bäumen

Es darff noch Castalis noch Hippocrene gehn

Es hält die kluge Welt nichts von den alten Träumen

Wo vielmals weder Sinn noch Meynung zu verstehn.

Du Bild der Redlichkeit du Bürger deutscher Sitten

Verdienst ein deutsches Lob das klare Warheit ziert.

Du hast in jedem Thun in Wandel Tritt und Schritten

Dein Leben schlecht und recht für

Von Hertzen ehren GOtt und dann sich selbst erkennen

Vergnügt seyn in dem Stand in dem man ist gesetzt

Aus tollem Hochmuth nicht nach grossen Dingen rennen

Wird vor ein Meisterstück und weise Kunst geschätzt.

Und worzu leitet Uns ein Bürgerliches Leben?

Es ist der grosse Leib in Glieder abgetheilt.

Der Fuß muß nicht dem Kopff und Händen wiederstreben

Genung wenn selne Pflicht zu leisten jedes eilt.

Der Sorgen Unterscheid laufft auff ein gleiches Ende

Damit gemeines Heil kan ungekräncket blühn.

Dem giebt der Höchste GOtt die Herrschafft in die Hände

Den andern heist er sonst in Handlung sich bemühn.

Gott und dem Käiser treu diß ist die schönste Krone

So je der Bürger Haupt auff Erden zieren mag.

Den Nachruhm trägst du jetzt O

Diß unverfälschte Lob krönt deinen letzten Tag.

Du warest nicht gewohnt aus Vorwitz nachzufragen

Wie mancher Klügling thut obs Regiment bestellt;

Du hast das deinige gutwillig beygetragen

Dein Urtheil eh’ es Zeit von andern nicht gefällt.

Auffrichtig war dein Hertz und redlich dein Beginnen

Es schien die alte Welt die lebte noch in dir.

Verändern Hertz und Mund verstellen Blick und Sinnen

Kam dir wie Drachen-Gifft und Basilisken für.

Und weil das Leben ist erfüllt mit Angst und Leiden

So hast du es nicht selbst dir bitterer gemacht.

Man sah’ dich wolgemuth bey Freunden und bey Freuden

Und deine Freundschafft war ohn Argwohn und Verdacht:

Ja deine höchste Lust freygebig sich zu weisen

Kein karger Euclio und filtzig Sauer-Topff

Der lieber sterben wil als eine Mahlzeit speisen

Und meynt der Lauff der Welt besteh’ auff seinem Kopff.

Besprang dich Creutz und Noth die überhäuffig kommen

Und die mein kurtzer Reim nicht einzuschliessen weiß

So hast du Hülff’ und Trost zu deinem GOtt genommen

Versichert daß auff Schnee folgt Klee die Wärmbd auf Eiß.

Wie schwer das Alter sonst dich schien es nicht zu drücken

Es blieb dein reger Geist in frischer Hurtigkeit;

Und diß war auch ein Pfand von GOttes Gnaden-Blicken

Der bey der Jahre Schnee den Seinen Krafft verleyht.

Dich wird als Capitain die Compagnie beklagen

Die zwey und zwantzig Jahr du rühmlich hast geführt.

Und wird der Nach-Welt Mund von alten Bürgern sagen

So weiß ich daß dein Nam und Ruhm die Rolle ziert.

Es ist ein schöner Klang von allen Todten-Glocken

Als wenn der Hall erschallt:

Es wird der Gräber Pracht nicht so die Augen locken

Als diese Grabe-Schrifft den Leichstein zieren kan.

Ruh’ wol

Gönut Sohn und Töchter doch wie sehr ihr immer klagt

Daß er den Ancker wirfft in dem gelobten Lande

Da ihn kein Sturm erschreckt noch Kummer-Welle plagt.

Jhr habet Pflicht gemäß die Augen ihm geschlossen.

Betrübtste Töchter stellt die bittren Zähren ein:

Denn wenn ihr die genug aus Schuldigkeit vergossen

So lehrt euch Zeit und That;