Letzter Jahres-Schlus Hn. G. H. den 29. Septembr. 1673.
So hat dich Seeliger der Höchste nun quittiret
Dein Räitungs-Schluß ist recht du wirst mit Ruhm
Wer seiner Jahre Lauff so als wie du geführet
Der kan mit Fried und Ruh’ zu seinen Vätern gehn.
Du übergiebest nun die Anzahl deiner Tage
Dem so von Anbegin derselben Maß bestimmt
Legst ab dein Cammer-Ampt sampt aller Kranckheit Plage
Weil dich des Höchsten Ruff zu seinen Renten nimmt.
Du bist ein treuer Knecht hier jederzeit gewesen
Gott und der Obrigkeit geleistet Schuld und Pflicht:
Nun hörst du auß dem Buch deß Lebens dich verlesen
Und was vor hohen Lohn dein Heyland dir verspricht.
Du dachtest zwar noch wol den Jahr-Schluß zu vollenden
Allein der blasse Tod lescht dir die Ziffern auß
Nimmt das gehaltne Buch von den verwelckten Händen
Und führt dich sanfft und still ins finstre Sterbe-Haus.
Nun ist dein Wunsch erfüllt was du so offt gebeten
Was du so hoch verlangt das wird dir jetzt zutheil
Daß du auß diesem Joch deß Lebens möchtest treten
Und in dem Himmel sehn der Auserwehlten Heil.
Erwegst du hier die Weit was hast du eingenommen?
Nichts als von Kindheit an viel Creutzer bittrer Noth:
Und als die Jugend war zu ihrem Wachsthum kommen
So sahst du dich umbringt mit Rauben Pest und Tod.
Der nächsten Jahre Lauff ist nur mit Schreckenbergern
Nicht feiner Müntze Gold gewesen überlegt
Es hätte sich dein Hertz offt drüber müssen ärgern
Wenn nicht auch wiederumb der Höchste dein gepflegt.
Das Glücke schien dir drauff mit seinen Gnaden-Blicken
Als dir vom Fürstenthum die Cassa ward vertraut
Da aber wolt’ es dich noch freundlicher erquicken
Als es den Lebens-Sitz in
Denn hast du viel summirt viel Posten außgezahlet
Belag und Quittungen in Richtigkeit gesetzt
So daß der
Und zu der Heimligkeit der Cammer werth geschätzt.
Du warst in deinem Ampt wach embsig unverdrossen
Von keiner Müh erschreckt von keiner Arbeit bleich
Du hast die Rechnungen mit solcher Art geschlossen
Daß unter Hunderten dir wol nicht einer gleich.
Du bliebest stets bedacht wie Rechenschafft zu geben
Hier für der gantzen Stadt und dort für Gottes-Thron.
Ein Tugend-Spiegel schien dein wolgeführtes Leben
Recht und Gerechtigkeit blieb deines Hauptes Cron.
Du Kern der Redligkeit und Muster aller Sitten
Dem nicht die Gleißnerey der neuen Welt gefiel
Es ist kein falsches Wort aus deinem Mund geglitten
Die nackte Warheit stand zu der Gedancken Ziel.
Den Künsten bist du hold von Jugend auf gewesen
Und war dir irgend Ruh von Pflicht und Ampt beschert
So hast du deine Zeit mit rechnen schreiben lesen
Und nicht wie mancher thut im Müssiggang verzehrt.
Verlieh GOtt eine Stund in Fröligkeit zu sitzen
Wieviel Geschichte hat dein Mund nicht fürgesagt:
Du kontest mir oft mehr mit deiner Antwort nützen
Als wenn die Weisen ich aus Griechenland gefragt.
Allein wir sehn nicht mehr einander aufdem Saale
Die Cammer findet uns fort nicht beysammen stehn.
Du schläffst
Da ich gebückt und krum noch muß auf Erden gehn.
Ach hochbeglückter Greiß wie du zu dieser Reise
So lange dich geschickt ist männiglich bekand
Wie offt du dich versorgt mit der hochseelgen Speise
Wenn von des Himmels-Glut dein Hertze war entbrand.
Wie vielmal hab ich dich beym Todten-Buch gefunden?
Da du zu mir gesagt: diß ist mein eintzig Fleiß:
Ich freu’ und sehne mich nach meinen letzten Stunden
Weil ich doch bessers nichts als selig sterben weiß.
Der silber-weisse Schwan wenn er von Kräfften müde
Streckt bey Mäanders-Fluß sich ins geblümte Graß
Und giebet gute Nacht mit einem solchen Liede
Daß Zefyr der ihn liebt macht Aug’ und Flügel naß.
Du Schwanen-gleiches-Haupt vom Ehren-Schnee beschneyet
Lehnst nun du sterben solst dich an der Kinder-Brust
Und ruffst der Liebsten zu: Was weint ihr? seyd ersreuet
Gönnt mir
Hier ist kein bleiben mehr hier find ich keine Hütten
Last mich die Frieden-Stadt Jerusalem doch sehn
Ich will diß als ein Pfand der Liebe von euch bitten
Beschwert doch nicht mein
So schloß dein Schwanen-Lied du auch zugleich die Augen
Die dir der Kinder-Schaar wehmütigst zugedrückt
Und die dein Eh-Schatz itzt mit ihrer Augen Laugen
Wol unter tausend ach! ins Haus der Ruhe schickt.
Ach selig wer erblast in seiner Kinder Armen
Und nimmt Natur gemäß so an die Liebes Pflicht
Wem bey der Seinigen Trostsprechen und Erbarmen
Ein Wolbereiter Tod das Stunden-Glaß zerbricht.
Dem hinterbliebnen Theil scheint es zwar allzubitter
Wenns muß verwittibt seyn wenn es sein Hertz vermist;
Wenn übers gantze Haus stürmt ein solch Ungewitter
Und wenn deß Todes-Wurm der Ehe Palm-Baum frist.
Jedoch
Auch hier ihr wollen seyn so ist es wol gethan
Der Segen-Vater wird schon Angst und Kummer stillen
Und als Vertreter sich stets ihrer nehmen an:
Klagt
Der liebste Vater ist entbunden seiner Last;
Er wird ins Haus der Noth zurücke nicht begehren
Der Sternen Nachbar’n hat und ist der Engel Gast.
Dir aber
Du hast dein Capital vortrefflich angelegt
Bist hier auf dieser Welt nicht eine Nulle worden
Nein sondern eine Zahl die gültig Nutzen trägt.
Du darffst der Bürgerschafft den Jahr-Schluß nicht mehr lesen
Von Auß- und Einnahm ist dein reiner Geist befreyt
Und lebest höchst vergnügt in einem solchem Wesen
Das keine Zahlen hat noch Ziel und Maß der Zeit.