Letzter Jahres-Schlus Hn. G. H. den 29. Septembr. 1673.

By Heinrich Mühlpfort

So hat dich Seeliger der Höchste nun quittiret

Dein Räitungs-Schluß ist recht du wirst mit Ruhm

Wer seiner Jahre Lauff so als wie du geführet

Der kan mit Fried und Ruh’ zu seinen Vätern gehn.

Du übergiebest nun die Anzahl deiner Tage

Dem so von Anbegin derselben Maß bestimmt

Legst ab dein Cammer-Ampt sampt aller Kranckheit Plage

Weil dich des Höchsten Ruff zu seinen Renten nimmt.

Du bist ein treuer Knecht hier jederzeit gewesen

Gott und der Obrigkeit geleistet Schuld und Pflicht:

Nun hörst du auß dem Buch deß Lebens dich verlesen

Und was vor hohen Lohn dein Heyland dir verspricht.

Du dachtest zwar noch wol den Jahr-Schluß zu vollenden

Allein der blasse Tod lescht dir die Ziffern auß

Nimmt das gehaltne Buch von den verwelckten Händen

Und führt dich sanfft und still ins finstre Sterbe-Haus.

Nun ist dein Wunsch erfüllt was du so offt gebeten

Was du so hoch verlangt das wird dir jetzt zutheil

Daß du auß diesem Joch deß Lebens möchtest treten

Und in dem Himmel sehn der Auserwehlten Heil.

Erwegst du hier die Weit was hast du eingenommen?

Nichts als von Kindheit an viel Creutzer bittrer Noth:

Und als die Jugend war zu ihrem Wachsthum kommen

So sahst du dich umbringt mit Rauben Pest und Tod.

Der nächsten Jahre Lauff ist nur mit Schreckenbergern

Nicht feiner Müntze Gold gewesen überlegt

Es hätte sich dein Hertz offt drüber müssen ärgern

Wenn nicht auch wiederumb der Höchste dein gepflegt.

Das Glücke schien dir drauff mit seinen Gnaden-Blicken

Als dir vom Fürstenthum die Cassa ward vertraut

Da aber wolt’ es dich noch freundlicher erquicken

Als es den Lebens-Sitz in

Denn hast du viel summirt viel Posten außgezahlet

Belag und Quittungen in Richtigkeit gesetzt

So daß der

Und zu der Heimligkeit der Cammer werth geschätzt.

Du warst in deinem Ampt wach embsig unverdrossen

Von keiner Müh erschreckt von keiner Arbeit bleich

Du hast die Rechnungen mit solcher Art geschlossen

Daß unter Hunderten dir wol nicht einer gleich.

Du bliebest stets bedacht wie Rechenschafft zu geben

Hier für der gantzen Stadt und dort für Gottes-Thron.

Ein Tugend-Spiegel schien dein wolgeführtes Leben

Recht und Gerechtigkeit blieb deines Hauptes Cron.

Du Kern der Redligkeit und Muster aller Sitten

Dem nicht die Gleißnerey der neuen Welt gefiel

Es ist kein falsches Wort aus deinem Mund geglitten

Die nackte Warheit stand zu der Gedancken Ziel.

Den Künsten bist du hold von Jugend auf gewesen

Und war dir irgend Ruh von Pflicht und Ampt beschert

So hast du deine Zeit mit rechnen schreiben lesen

Und nicht wie mancher thut im Müssiggang verzehrt.

Verlieh GOtt eine Stund in Fröligkeit zu sitzen

Wieviel Geschichte hat dein Mund nicht fürgesagt:

Du kontest mir oft mehr mit deiner Antwort nützen

Als wenn die Weisen ich aus Griechenland gefragt.

Allein wir sehn nicht mehr einander aufdem Saale

Die Cammer findet uns fort nicht beysammen stehn.

Du schläffst

Da ich gebückt und krum noch muß auf Erden gehn.

Ach hochbeglückter Greiß wie du zu dieser Reise

So lange dich geschickt ist männiglich bekand

Wie offt du dich versorgt mit der hochseelgen Speise

Wenn von des Himmels-Glut dein Hertze war entbrand.

Wie vielmal hab ich dich beym Todten-Buch gefunden?

Da du zu mir gesagt: diß ist mein eintzig Fleiß:

Ich freu’ und sehne mich nach meinen letzten Stunden

Weil ich doch bessers nichts als selig sterben weiß.

Der silber-weisse Schwan wenn er von Kräfften müde

Streckt bey Mäanders-Fluß sich ins geblümte Graß

Und giebet gute Nacht mit einem solchen Liede

Daß Zefyr der ihn liebt macht Aug’ und Flügel naß.

Du Schwanen-gleiches-Haupt vom Ehren-Schnee beschneyet

Lehnst nun du sterben solst dich an der Kinder-Brust

Und ruffst der Liebsten zu: Was weint ihr? seyd ersreuet

Gönnt mir

Hier ist kein bleiben mehr hier find ich keine Hütten

Last mich die Frieden-Stadt Jerusalem doch sehn

Ich will diß als ein Pfand der Liebe von euch bitten

Beschwert doch nicht mein

So schloß dein Schwanen-Lied du auch zugleich die Augen

Die dir der Kinder-Schaar wehmütigst zugedrückt

Und die dein Eh-Schatz itzt mit ihrer Augen Laugen

Wol unter tausend ach! ins Haus der Ruhe schickt.

Ach selig wer erblast in seiner Kinder Armen

Und nimmt Natur gemäß so an die Liebes Pflicht

Wem bey der Seinigen Trostsprechen und Erbarmen

Ein Wolbereiter Tod das Stunden-Glaß zerbricht.

Dem hinterbliebnen Theil scheint es zwar allzubitter

Wenns muß verwittibt seyn wenn es sein Hertz vermist;

Wenn übers gantze Haus stürmt ein solch Ungewitter

Und wenn deß Todes-Wurm der Ehe Palm-Baum frist.

Jedoch

Auch hier ihr wollen seyn so ist es wol gethan

Der Segen-Vater wird schon Angst und Kummer stillen

Und als Vertreter sich stets ihrer nehmen an:

Klagt

Der liebste Vater ist entbunden seiner Last;

Er wird ins Haus der Noth zurücke nicht begehren

Der Sternen Nachbar’n hat und ist der Engel Gast.

Dir aber

Du hast dein Capital vortrefflich angelegt

Bist hier auf dieser Welt nicht eine Nulle worden

Nein sondern eine Zahl die gültig Nutzen trägt.

Du darffst der Bürgerschafft den Jahr-Schluß nicht mehr lesen

Von Auß- und Einnahm ist dein reiner Geist befreyt

Und lebest höchst vergnügt in einem solchem Wesen

Das keine Zahlen hat noch Ziel und Maß der Zeit.