Letzter Liebes-Dienst Hn. W. Z. den 2. Febr. 1681. er wiesen.
Betrübtste dieser Dienst ist wider Wunsch und Willen
Die Feder wird wie Bley in meinen Händen schwer
Und Thränen müssen sie an statt der Dint anfüllen
Ach! daß ich trösten soll von Trost gantz bloß und leer!
Der Liebsten blutig Hertz der Töchter heisse Zehren
Der Anverwandten Weh’ verwirrt mir Sinn und Geist;
So will mich eigner Schmertz empfindlicher verzehren
Der meines Freundes Grab mich itzt bejammern heist.
Allein diß klag ich nicht daß Menschen müssen sterben
Es ist der Urtheilspruch deß Höchsten längst bekandt;
Was auferstehen soll das muß zuvor verderben
Wir gehn durch Heck und Dorn in jenes Rosen-Land
Nur wenn ein nützlich Mann im Wachsthum bester Jahre
Und rühmlichen Beruff entfällt gemeinem Heil
Wenn ein Gewissenhafft Jurist ligt auf der Bahre
Dem Themis anvertraut die Schalen und ihr Beil
So ist nur der Verlust unendlich zu beklagen.
So läst man ja mit Recht dem Schmertz die Zügel loß;
Und wenn ein wahrer Freund uns wird hinweg getragen
Ist dieser Hintritt nicht ein rechter Hertzens-Stoß?
Herr Zimmerling ist hin! Weint keusche Musen weinet
Flecht für die Lorbeer euch Cypressen in das Haar
Seyd mühsam daß ihr noch bey seinem Grab erscheinet
Dieweil er euer Ruhm und Trost und Zierath war!
Es will Asträa ihn als einen Priester ehren
Und sein Gedächtnüß soll in ihrem Tempel stehn
Der viel den rechten Weg pflag’ in dem Recht zu lehren
Soll in der Nachwelt Mund ein ewig Lob erhöhn.
Was aber liefer’ ich des Freundes leichten Schatten
Dem mich von Jugend auf Minerva zugepaart?
Kömmt seiner Asche noch mein Liebes-Dienst zu statten
Trotzt unser Bündnüß auch des bleichen Charons-Farth?
So schreib ich diß zum Ruhm; ein unbefleckt Gewissen
Ein redlich Hertz und Sinn und unverstellter Mund
Ein Christ und fromm Jur ist ist mit ihm hingerissen
Der nicht als wie ein Rohr leicht zu bewegen stund.
Er wuste daß diß Ampt hochheilig voller Würde
Daß die Gerechtigkeit der Erden Bau erhält
Daß es hingegen auch als eine schwere Bürde
Vertheidigern des Rechts auff ihre Schultern fällt;
Was ein Soldat im Krieg das Vaterland zu schützen
Was Hagel und Geschoß was Helm und Schwerdt erlangt
Das und ein mehrers wird ein Rechts-Gelehrter nützen
Der mit Beredsamkeit und reiner Warheit prangt
Der dem Bedrängten nie sein Ohre hat verschlossen
Und siehet Arm und Reich mit gleichen Augen an.
Dem nie ein güldner Fluß ist in den Hals geflossen
Daß seine Zunge nicht die Nothdurfft melden kan.
Was machet Rom berühmt? Daß sie den Kreiß der Erden
Von Auff- und Niedergang hat unter sich gebracht?
Es sey: Daß Völcker ihr verbunden müssen werden
Hat der Gesetze-Krafft durch Policey gemacht.
Offt schafft ein Nestor mehr als Ajax blosser Degen
Zieht Pyrrhus dem Triumpff den Cineas nicht für.
Ist nicht den Fürsten mehr an klugem Rath gelegen?
Sind weise Männer nicht des Landes Trost und Zier?
Hat sie der Käyser Huld als Väter nicht erhoben?
Und als geheime Freund und Helffer wehrt geschätzt?
Wer wird die Römer nicht als Staats-Erfahrne loben
Die in den Grafen-Stand Verdienst und Treu gesetzt?
Erklärt sie nicht das Reich der edlen Rechte Ritter?
Wie viel Kleinodien der Freyheit tragen sie?
Vertheidigen sie nicht offt unser Blut und Güter?
Blüth unsre Wolfarth nicht durch ihren Fleiß und Müh?
Es hat
Dergleichen Ehren-Ampt biß in den Tod geziert
Sein fertiger Verstand entwickelte viel Sachen
Und hat der Rechte Grund verständig ausgeführt
Ich weiß noch Zeugen seyd ihr Welt-berühmten Linden
Mit was vor Eyfer er ob den Gesetzen lag.
Wie sein Justinian stets auff dem Tisch zu finden
Was für Besprachung er mit treuen Lehrern pflag:
Und Zeugen ruff ich an noch vieler nasse Wangen
Die seinen Beystand itzt entbehren all zu früh;
Er ist frisch unverzagt den Rechten nachgegangen
Trotz daß ihn Haß und Gunst und Macht geblendet je.
Er hielt gleich Spiegeln rein sein redliches Gewissen
(denn Flecken kommen nur den Worten-Händlern zu.)
Sein Witz hat manches Garn der Strittigkeit zerrissen
Und in der Einigkeit gesucht die schönste Ruh.
Wer seinen Rath verlangt wer seine Hülff erbeten
Der hört aus Hertz und Mund gleichstimmigen Bericht.
Und sah’ ihn drauff behertzt für Recht und Ritter treten
Verstand und Warheit gab den Ausschlag im Gewicht.
Nun dieses und noch mehr hat uns der Tod entzogen
Laß ich die Redlichkeit in seinem Wandel aus?
So hätt’ ich Tyger-Milch und Drachen-Blut gesogen
Eh wird ein Wolff ein Schaf ein Pelican ein Strauß.
Nein; mir verschwinden nicht die angenehme Stunden
Die inn- und ausser Land zusammen uns gesellt
Gott Tugend und die Zeit hat mich ihm so verbunden
Daß noch sein Bildnüß stets in sich mein Hertze hält.
Die ungefärbte Treu war reiner als Crystallen
In die kein falscher Strahl verlarvter Freundschafft dringt.
Ach! daß
Daß ihn deß Todes Arm in bester Zeit bezwingt!
Betrübtste soll ich nun die innern Seelen-Wunden
Auffreissen durch mein Leyd als Zeugen gleicher Noth?
Gar selten hat man hier ein kräfftig Pflaster funden;
Denn treue Liebe herrscht auch über Zeit und Tod.
Nicht Marmel und Porphyr wird eure Lieb’ abbilden
Sie ist der Seele mehr als Steinen eingeprägt.
Rom prange wie sie will mit ihren Seuln und Schilden
Nein unserm Seeligen ist mehr Schmuck beygelegt.
Wie schön der Rock gegläntzt den sie im Rathe brauchten
So ist sein Unschulds-Kleid von gar weit größrer Zier.
Und wenn gleich alle Ständ und Würden schon verrauchten
So tritt
Betrübtste mit Gedult sein Hertze können fassen
Bleibt doch die beste Prob’ in unsrem Christenthum.
Gott der stets Vater ist wird Wäisen nie verlassen
Und unser Seeliger schläfft unter Ehr und Ruhm.