Letzter Zuruff An Hn. P. F. den 7. April 1680.
Mein Freund so haut der Tod dein Fleisch in tausend Stücke
Und überliefert es den Würmen zu der Kost
Du bist nunmehr befreyt ich steh noch auf der Brücke
Und hoffe weiter nichts als Schimmel Fäul’ und Rost.
Muß uns die Frühlings Lust zu einem Kirchhof werden
Ist denn dein Sommer-Hauß ein schwartzes Leichen-Bret?
Die Sonn erfreu’t die Welt mit ihren güldnen Pferden
Da ein breit Eisen dir macht auff die Grabe Stätt.
Wo bleibt nun unser Wunsch wo bleibet das Versprechen:
Ach der ergrimmte Tod reist allen Vorsatz ein!
Und wird uns unverhofft die müden Augen brechen
Daß auch der Sternen Licht muß Asch und Schatten seyn.
Wie aber gehstu hin? Ein Held fällt unter Wunden
Sein Purpur färbet offt des Feindes Angesicht.
Der Schiffer hat den Tod in wüster See gefunden
Ein Bergmann der verfällt wenn Fahrt und Gang einbricht.
Du als ein Handels Mann geübet durch viel Reisen
Und der viel Wechsel schoß verschleust dich in den Sarck
Willst unsrer lieben Stadt und Leipzig noch erweisen
Wie rühmlich du vollführt hast deines Lebens-Marck.
Jtzt da der Jahrmarckt kommt bald in den ersten Tagen
Hastu dein Gut verkehrt. Was? nichts als Staub und Koth.
Wird eine kunde wonach Herr
So spricht der Diener Mund er ist schon kalt und todt.
Ach Wechsel voller Glück? ach Handlung voller Seegen!
Der ewige Gewinn hat dir bißher gefehlt
Daß man dich Lebens satt möcht in die Erde legen
Ermüdet von viel Angst und strenger Noth gequält.
Der in Siberien auff ewig ist verbannet
Und den der Mittag kocht auff einer Ruder Banck
Der an den Hacken ligt an Foltern ist gespannet
Der Gifft zur Speise hat und Schirling zu dem Tranck
Empfindt nicht solche Pein als wie du hast erlitten;
Des Nero Tyranney ist noch Barmhertzigkeit:
So hat kein Hencker je gebrennet und geschnidten
Als dich die grause Gicht gekrümmet wie ein Scheit.
Doch sey mir noch vergunt O Seeliger zu fragen?
Hat dein Gewölbe nicht den kühnen Tod verblendt?
Und unterstand er sich in Marck dich zu betagen
Da sonst ein jederman der Märckte Freyheit kennt?
War denn kein Zeug nicht da daß man die dürren Beine
So viel nur möglich schien aufs zierlichste bedeckt?
Hatt’ er nicht seine Lust an Sammt und Atlas Scheine
Daß ihm der Künstler Stich Mitleiden hätt erweckt?
Hieß Stückwerck und Gespienst ihm eine Spinne-Webe?
Wie kleidet sich der Tod in keine Moden nicht?
Und bleibt er immer so wie eine schwancke Rebe?
Ergetzet kein Damast sein holes Angesicht?
So forsch ich weiter nach: Was hast du denn verhandelt?
Dein zugeschlossner Mund spricht! Ach mein Fleisch das
Weil der der endlich auch die Himmel selbst verwandelt
(heu
Mir längst ins Ohr gerufft daß ich vergänglich sey.
Nun wunder’ ich mich mehr: welch Weltling kan es leiden
Wenn über die Gebühr sich einer kleiden läst?
Und du dem nichts gebrach an feinsten Sammt und Seiden
Erfährest daß der Tod auch dieses stehen läst
Und kleidet sich in Fleisch. Er hat es zwar vonnöthen
Daß er die leere Schos und magern Hüfften ziert.
Hingegen solte nicht der freche Mensch erröthen
Daß offt ein gantzer Krahm für ihn nicht Zeuge führt?
So gibst du nun dein Fleisch das schlechste von den Waaren
O kluger Handels-Mann für jenen Himmels-Schatz.
Laß Scharrer unsrer Zeit in alle Winckel fahren
Dein Hauptgut das behält für allen Gütern Platz.
Und sinn’ ich endlich aus die Gleichheit in den Dingen
Gewichte Maß und Zahl ist auff den Punct erfüllt.
Als in dem Paradieß wir unbekleidet giengen
Hat Evens Vorwitz sich zum ersten eingehüllt.
Und dieses Sünden-Kleid das ist uns erblich blieben.
Ob unsre Leiber sonst auch alle Schönheit mahlt;
So sind doch sie dem Tod zum Eigenthum verschrieben
Erfordert es mit Recht daß man durch Sterben zahlt.
Und was ist ähnlicher den allerbesten Zeugen
Als unser Haut und Fleisch? sie sind aus nichts gemacht.
Gott hieß aus einem Kloß den ersten Menschen steigen
Hier hat ein Wurm und Kunst die Formen aus gedacht.
Was ist verweßlicher als schöne Selden Waaren
Und eine schöne Haut die Perlen oft beschämt?
Denn jene darf Gebrauch und Zeit nur überfahren
Und den geraden Leib hat Kranckheit offt gelähmt.
Wie brüstet sich der Mensch wenn er so herrlich gläntzet?
Und denckt nicht daß ein Koth den andern überdeckt.
Wird nicht mit Perl und Gold ein stoltzes Haupt bekräntzet?
Darunter weiter nichts als Wust und Eyter steckt.
Ist unser Fleisch nun Heu gewidmet zum Verderben
Reitzt es und wird gereitzt führt es und wird verführt
So glaubt ein rechter Christ daß wenn auch in dem Sterben
Der Tod sein Recht vollzieht er dennoch nichts verliehrt.
Drumb werther Seeliger hastu sehr wol geschlossen.
Wie aber stell ich recht den grossen Nutzen für?
Bilantz und Räitung sind nur lauter Kinder-Possen
Was Welt und zeiclich ist hat kein Gehore hier.
Da unser Heyland sich in unser Fleisch verkleidet
Da wuchs das Capital der Ewigkeit uns zu;
Und als er an dem Creutz vor unsre Sunden leidet
Da setzt er aus Gefahr uns in die sichre Ruh.
Es sey das Fleisch nun Heu: was ist daran gelegen?
Ob uns der Würge-Mann die Knochen gleich zerhaut
Und wird uns durch das Grab wie durch ein Sieb ausfegen.
Versichert daß sie sind zu grösserm Glantz vertraut.
Ach laß erblaster Freund das Heu dein Fleisch verwelcken
Du hast hier wol gelebt und schläfft mit Ehren ein
So prangt dein Garten nicht mit Wunder bunten Nelcken
Als dermahleinst dein Fleisch wird auffgekläret seyn.
&q;Des HErren Athem wird in dein Gebeine blasen
&q;Du wirst voll Safft und Krafft und Geistes aufferstehn.
&q;Es mag die tolle Welt in ihren Sünden rasen
&q;Sie muß wie Fleisch und Heu doch endlich untergehn.