Letzter Zuruff An Hn. P. F. den 7. April 1680.

By Heinrich Mühlpfort

Mein Freund so haut der Tod dein Fleisch in tausend Stücke

Und überliefert es den Würmen zu der Kost

Du bist nunmehr befreyt ich steh noch auf der Brücke

Und hoffe weiter nichts als Schimmel Fäul’ und Rost.

Muß uns die Frühlings Lust zu einem Kirchhof werden

Ist denn dein Sommer-Hauß ein schwartzes Leichen-Bret?

Die Sonn erfreu’t die Welt mit ihren güldnen Pferden

Da ein breit Eisen dir macht auff die Grabe Stätt.

Wo bleibt nun unser Wunsch wo bleibet das Versprechen:

Ach der ergrimmte Tod reist allen Vorsatz ein!

Und wird uns unverhofft die müden Augen brechen

Daß auch der Sternen Licht muß Asch und Schatten seyn.

Wie aber gehstu hin? Ein Held fällt unter Wunden

Sein Purpur färbet offt des Feindes Angesicht.

Der Schiffer hat den Tod in wüster See gefunden

Ein Bergmann der verfällt wenn Fahrt und Gang einbricht.

Du als ein Handels Mann geübet durch viel Reisen

Und der viel Wechsel schoß verschleust dich in den Sarck

Willst unsrer lieben Stadt und Leipzig noch erweisen

Wie rühmlich du vollführt hast deines Lebens-Marck.

Jtzt da der Jahrmarckt kommt bald in den ersten Tagen

Hastu dein Gut verkehrt. Was? nichts als Staub und Koth.

Wird eine kunde wonach Herr

So spricht der Diener Mund er ist schon kalt und todt.

Ach Wechsel voller Glück? ach Handlung voller Seegen!

Der ewige Gewinn hat dir bißher gefehlt

Daß man dich Lebens satt möcht in die Erde legen

Ermüdet von viel Angst und strenger Noth gequält.

Der in Siberien auff ewig ist verbannet

Und den der Mittag kocht auff einer Ruder Banck

Der an den Hacken ligt an Foltern ist gespannet

Der Gifft zur Speise hat und Schirling zu dem Tranck

Empfindt nicht solche Pein als wie du hast erlitten;

Des Nero Tyranney ist noch Barmhertzigkeit:

So hat kein Hencker je gebrennet und geschnidten

Als dich die grause Gicht gekrümmet wie ein Scheit.

Doch sey mir noch vergunt O Seeliger zu fragen?

Hat dein Gewölbe nicht den kühnen Tod verblendt?

Und unterstand er sich in Marck dich zu betagen

Da sonst ein jederman der Märckte Freyheit kennt?

War denn kein Zeug nicht da daß man die dürren Beine

So viel nur möglich schien aufs zierlichste bedeckt?

Hatt’ er nicht seine Lust an Sammt und Atlas Scheine

Daß ihm der Künstler Stich Mitleiden hätt erweckt?

Hieß Stückwerck und Gespienst ihm eine Spinne-Webe?

Wie kleidet sich der Tod in keine Moden nicht?

Und bleibt er immer so wie eine schwancke Rebe?

Ergetzet kein Damast sein holes Angesicht?

So forsch ich weiter nach: Was hast du denn verhandelt?

Dein zugeschlossner Mund spricht! Ach mein Fleisch das

Weil der der endlich auch die Himmel selbst verwandelt

(heu

Mir längst ins Ohr gerufft daß ich vergänglich sey.

Nun wunder’ ich mich mehr: welch Weltling kan es leiden

Wenn über die Gebühr sich einer kleiden läst?

Und du dem nichts gebrach an feinsten Sammt und Seiden

Erfährest daß der Tod auch dieses stehen läst

Und kleidet sich in Fleisch. Er hat es zwar vonnöthen

Daß er die leere Schos und magern Hüfften ziert.

Hingegen solte nicht der freche Mensch erröthen

Daß offt ein gantzer Krahm für ihn nicht Zeuge führt?

So gibst du nun dein Fleisch das schlechste von den Waaren

O kluger Handels-Mann für jenen Himmels-Schatz.

Laß Scharrer unsrer Zeit in alle Winckel fahren

Dein Hauptgut das behält für allen Gütern Platz.

Und sinn’ ich endlich aus die Gleichheit in den Dingen

Gewichte Maß und Zahl ist auff den Punct erfüllt.

Als in dem Paradieß wir unbekleidet giengen

Hat Evens Vorwitz sich zum ersten eingehüllt.

Und dieses Sünden-Kleid das ist uns erblich blieben.

Ob unsre Leiber sonst auch alle Schönheit mahlt;

So sind doch sie dem Tod zum Eigenthum verschrieben

Erfordert es mit Recht daß man durch Sterben zahlt.

Und was ist ähnlicher den allerbesten Zeugen

Als unser Haut und Fleisch? sie sind aus nichts gemacht.

Gott hieß aus einem Kloß den ersten Menschen steigen

Hier hat ein Wurm und Kunst die Formen aus gedacht.

Was ist verweßlicher als schöne Selden Waaren

Und eine schöne Haut die Perlen oft beschämt?

Denn jene darf Gebrauch und Zeit nur überfahren

Und den geraden Leib hat Kranckheit offt gelähmt.

Wie brüstet sich der Mensch wenn er so herrlich gläntzet?

Und denckt nicht daß ein Koth den andern überdeckt.

Wird nicht mit Perl und Gold ein stoltzes Haupt bekräntzet?

Darunter weiter nichts als Wust und Eyter steckt.

Ist unser Fleisch nun Heu gewidmet zum Verderben

Reitzt es und wird gereitzt führt es und wird verführt

So glaubt ein rechter Christ daß wenn auch in dem Sterben

Der Tod sein Recht vollzieht er dennoch nichts verliehrt.

Drumb werther Seeliger hastu sehr wol geschlossen.

Wie aber stell ich recht den grossen Nutzen für?

Bilantz und Räitung sind nur lauter Kinder-Possen

Was Welt und zeiclich ist hat kein Gehore hier.

Da unser Heyland sich in unser Fleisch verkleidet

Da wuchs das Capital der Ewigkeit uns zu;

Und als er an dem Creutz vor unsre Sunden leidet

Da setzt er aus Gefahr uns in die sichre Ruh.

Es sey das Fleisch nun Heu: was ist daran gelegen?

Ob uns der Würge-Mann die Knochen gleich zerhaut

Und wird uns durch das Grab wie durch ein Sieb ausfegen.

Versichert daß sie sind zu grösserm Glantz vertraut.

Ach laß erblaster Freund das Heu dein Fleisch verwelcken

Du hast hier wol gelebt und schläfft mit Ehren ein

So prangt dein Garten nicht mit Wunder bunten Nelcken

Als dermahleinst dein Fleisch wird auffgekläret seyn.

&q;Des HErren Athem wird in dein Gebeine blasen

&q;Du wirst voll Safft und Krafft und Geistes aufferstehn.

&q;Es mag die tolle Welt in ihren Sünden rasen

&q;Sie muß wie Fleisch und Heu doch endlich untergehn.