Letztes Ehren-Gedächtnus Fr. R. K. v. T. g. v. T. 18. Junii 1669.

By Heinrich Mühlpfort

Der Welt-Kreiß war halb Tag und noch halb Nacht zu nennen

Der Sternen göldnes Heer verlohr sich allgemach

Indem der graue Tag schon durch die Wolcken brach

Und durch die Dämmerung Aurora war zu kennen

Als mich ein schneller Zug und eine starcke Hand

So ich nicht melden kan riß in ein ander Land.

Mir gieng die reine Lufft was frischer ins Gesichte

Ich sahe hohe Berg und Felsen vor mir stehn

Mich hieß ein frembdes Wort behertzt noch weiter gehn

Zu dem die Sonne schien in ihrem Rosen-Lichte

Daß ich von ferne noch das Schnee-Gebirg erblickt

Und unversehens auf den Eych-Berg bin gerückt.

Das Lust-Haus der Natur so sonst von Liebligkeiten

Und allem Uberfluß verlangter Anmuth reich

Sah vielmehr einer Heck und öden Wüsten gleich

So daß ich bey mir selbst must in Gedancken streiten

Ob mich ein Nacht-Gesicht und falscher Schein bethört

Und ob mein blödes Ohr nur ein

Die gantze Gegend war mit Trauren überschwemmet

Der kalte Bober-Strom der sonst den Ort umbarmt

Floß langsam und betrübt als ob es ihn erbarmt

Daß keine Kunst noch Macht den Schluß des Himmels hemmet

Die Eichen derer Haupt vom Alter heilig war

Verdorrten an Gestalt verlohren Safft und Haar.

Man sah die Dryaden mehr keine Täntze hegen

Und umb die Mittags-Zeit geniessen Schatten-Lust

Die Chloris hatte nicht beblümet ihre Brust

Statt göldner Schmergeln wuchs Napell auf allen Wegen:

Der Bäche Silbern Fuß erstarrt und gieng entzückt

Kein Vogel hat den Ort mit seinem Klang erquickt.

Indem ich bey mir selbst der Sachen Lauff erwogen

Und schliesse daß ein Fall und Leid verhanden sey

Kommt dem bestürtzten Ohr ein traurlg Winseln bey

Und mir ein seufftzend Ach! und Girren nachgezo gen:

Die Stimme so halb tod und halb lebendig schien

Gab endlich zum Verstand mir diese Worte hin;

Unschätzbahrer Verlust! der Ruhm von unsern Feldern

Die Sonne die da hat die Gegend hier belebt

Die hat der Parcen Hand des Todes Garn gewebt;

Die Pallas die zum Theil in diesen heilgen Wäldern

Doch meist in Blumenau den Helicon gebaut

Wird nun erblast erkalt verstummt und tod geschaut.

Der zarten Jahre Lentz entzeucht sich seinen Auen

Kein West-Wind hauchet mehr der Lilgen Knospen an

Der Blumen-Königin verläst den Blumen-Plan

Die Gaben ihrer Zier sind weiter nicht zu schauen

Des Mundes Relcke welckt die Rosen gehen ein

Und Blumenau muß noch der Blumen Kirchhof seyn.

So schlägt kein Donner-Keil in hoher Felsen Klippen

Als mir diß trauer Wort durchschnitten meinen Geist:

Die Glieder zitterten das Hertze lag beeist

Die bange Schreckens-Angst verschloß mir Mund und Lippen

Es wolte der Vernunfft im minsten ähnlich seyn

Daß diese Rosen schon verlohren Glantz und Schein.

Ich nahte mich darauf zu dem benimmten Hause

Wo vor Ergetzligkeit und Liebe hat gespielt

Wo unerschöpffte Lust stets neue Lust erzielt

Ach Jammer! alle Pracht die lag in Asch und Grause.

Kurtz: jeder Winckel gab wehmüthig zu verstehn

Wie tieff dem Eh-Gemahl diß müst ins Hertze gehn.

Die ewig-treue Glut so beyder Hertz entzündet

Des Friedens göldnes Band so sie so fest verstrickt

Der Liebe Himmel-Brodt so täglich sie erquickt

Und was für Anmuth mehr man bey Vermählten findet

Verlescht zertrennt vergifft entweicht des Todes Macht

Und legt was Sterne trotzt hin in die lange Nacht.

Des Vatters Seelen-Riß ist unschwer zu ermessen

Der Vatter dem das Land sich höchst verbunden weiß

Den selbst der Käyser liebt ob der Verdienste Preiß

Muß nun der Haare Schnee erst krönen mit Cypressen

Indem vor Wehmuth ihm die Wunden so ergrimmt

Daß sein beängstigt Hertz in nichts als Blute schwimmt.

Deß Brudern wahre Treu und ungefärbtes Lieben

Der was Paris und Rom und Rhein und Temse prägt

Jhm durch geschickten Fleiß höchst-rühmlich beygelegt

Ist auch von diesem Stoß nicht unbefreyt geblieben

Und wie man sichtbarlich bey seinen Thränen schaut

So hat er in dem Hertz der Schwester Grab gebaut.

Und freylich ist sie auch auff ewig zu beklagen

Weil wesentlich bey ihr der Tugend Wohn-Haus war

Vernunfft und Frömmigkeit ihr satzten ein Altar

Witz Zier und Höffligkeit bey ihr versamlet lagen:

Die Musen müssen selbst bekennen alle neun

Daß sie mit gutem Fug die zehnde konte seyn.

Jhr freundliches Gespräch und hochbeliebte Sitten

Die haben offt das Hertz des Liebsten eingewiegt

Den Kummer abgewand die Traurigkeit besiegt

Sind Meister stets gewest mit Lust ihn zu beschütten.

Nun solchen Freuden-Schatz entzeucht des Todes Raub

Macht aus der Schönheit nichts und aus dem Leibe Staub.

Indem ich so vertiefft den frühen Tod beschmertze

Und auff ein ewig Lied die Sinnen schärffen wil

(wenn meine Kranckheit nicht verkehrte Schluß und Ziel)

So seh ich dort und hier ein angeflammte Kertze

Und ein gehäufftes Volck in Trauer-Boy verhüllt

Mit seufftzen ausgerüst mit Thränen angefüllt.

Ein jeder mühte sich den letzten Dienst der Leichen

Nach bester Mögligkeit und Pflicht zu statten ab

Und brachte sie begleit zu ihrer Eltern Grab

Zum Grab das sie ihr selbst erkiest zum Liebes-Zeichen

Der Mutter die sie stets gehorsam hat gehört

Und mit verbundner Treu biß an den Tod geehrt.

Du Seelig edle Seel der Zeiten Sturm entriffen

Verklärte Bürgerin in dem besternten Reich

Geneuß der werthen Lust der keine Lust hier gleich

Speis’ jetzt dein Freuden-Brodt trinck von des Lebens Flüssen

Indem uns Myrrhen hier und Aloen noch tränckt

Und eine neue Quaal stets an der andern henckt.

Dein Ruhm vermodert nicht dein Lob frißt keine Schabe

So lange Tugend noch in hohen Seelen sitzt

So fünckelt dein Gerücht das wie die Sterne blitzt

Ob man gleich noch so früh dich Blume trägt zu Grabe.

Wenn jener Lebens-May uns alle wird beziehn

Wirst du im Himmels-Au gantz unverweßlich blühn.