Licht

By Otto Julius Bierbaum

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Ich lag in Trübsinns Klammer

In dicht verschloss'ner Kammer,

Nacht war es um mich her.

Nur auf der Fensterschwelle

Lag breit ein Streifen Helle,

Als wär von Lichte draußen groß ein Meer.

Das Licht liegt auf der Schwelle,

Da draußen ist es helle,

Soll's bei dir dunkel sein?

Mach auf, mach auf den Laden,

Und sieh, in Schwall und Schwaden

Fließt dir das Licht in Aug und Seele ein.

Ich will das Licht nicht haben,

Ich fühle mich begraben

In eine tiefe Nacht;

Was ich genoß im Lichte,

Das ward in mir zunichte,

Mir hat ein Schmerz die Seele blind gemacht.

Rot drangs durch meine Lider,

In alle meine Glieder

Floß es wie heißer Wein.

Soll ich es wirklich wagen,

Die Augen aufzuschlagen?

Soll ich dem Licht noch einmal gläubig sein?

Die mir im Herzen saßen,

Trübsinn und Gram, zerblasen

Wie Nebel vor dem Wind,

Verwehten vor der Helle;

Der Sonne sandt ich schnelle

Kußhände lachend wie ein frohes Kind.