Lieb der Sterckste Bundt.
By Martin Opitz
Laß Bündnuß Bündnuß sein die grossen Herrn behagen
Da Land vnd Land wird eins sich friedlich zu betragen
Vnd da man Gut vnd Blut zusamen setzen wil
Wo etwan einer käm dem Vehd vnd Krieg gefiel.
Es ist ein zweifflich ding vff Bündnuß sich verlassen
Dieselbe brechen offt gantz vnverhoffter massen
Wen findstu der da halt was er dir hat geschworn?
Du suchst jhn dann bey denn die vor vns warn geborn.
Bißweilen drennt die Forcht was einmal ist verglichen
Bißweilen macht das Gelt durch Bündnuß einen strichen
Bißweilen vnglück auch dieselbe schneid entzwey
So bald Gefahr sich regt seind Bündnuß wie ein Ey.
Das ist ein vester Bund da sich die Lieb gesellet
Da sich die Liebe selbst für einen Zeugen stellet
Da Lieb ist selbst der Eyd daß Pitschafft vnd die Hand
Der Vnderhändler selbst der Bott vnd Abgesandt.
In diesem fall hat nichts das böse Glück zu hoffen
Hie hat das Glück gar offt die Hörner abgeloffen
Je mehr dasselbig wüth je stercker wird die Trew
Durch vngerahte Tag wird nur die Liebe new:
Gleich wie die rawe Kält so durch vnd durch thut schneiden
Mag zwey in einem Bett durch sein gewaltnicht scheiden
Je mehr die Winters zeit die zarte Leiber druckt
Je mehr vnd mehr als dann die Lieb zur Liebe ruckt.
Ein Jungfraw saß allein vnd sang von Liebs gedancken
Sie sprach von dir mein Hertz begehrich nicht zu wancken
Vnd muß ich mit dir gehn durch Fewer Schnee vnd Kelt
Vnd durch das wilde Meer wie Zornig es sich stelt.
Ich dacht in meinem Sinn ob es solt müglich scheinen
Ich fragt die Braut darumb Sie that es nicht verneinen
Sie sprach die Kelt ist warm Sie sprach die Hitz ist kühl
Wann ich die Liebe nur in meinem Hertzen fühl.
Ich fragt den Bräutigam er solt sein Meinung sagen
Er antwort mir geschwind ich solt mich selber fragen?
Ich schweig vnd gieng davon dacht vnter Wegs bey mir
Wie nun Herr Bräutigam wer sagt die sachen dir?