Liebe und Gegen-Liebe

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Worzu dient so süsses Blicken

Wenn du bist in nichts verliebt?

Ists daß unser Seufftzer-schicken

Cloris dir Vergnügen giebt?

Zwar offt heist das Hertze geben

Sich begeben seiner Ruh

Doch wer immer frey will leben

Bringt sein Leben übel zu.

Schönheit mit Verstand vermählet

Trifft offt schlechte Gleichheit an:

Manch getreues Hertz erwehlet

Was nicht Farbe halten kan:

Fremde Qual heist Achtung geben

Was für eine Wahl man thu;

Doch wer unverliebt will leben

Bringt sein Leben übel zu.

Liebe Cloris lieb in Zeiten

Liebe was dich wieder liebt

Was dir ohne Widerstreiten

Sein getreues Hertze giebt.

Lieb' und Gegen-Liebe geben

Süsse Lust und stille Ruh

Wer von Liebe frey will leben

Bringt sein Leben übel zu.