Liebe zu GOTT. Sechstinne.

By Heinrich Mühlpfort

Was lieb' ich? lieb' ich denn das Hauß der grossen Welt?

Ergetze mich an Ehr und hoher Würden-Macht?

Verschliesse meine Zeit in Lieblichkeit und Lust?

Ersättige mein Aug’ an Schönheit der Gestalt?

Thu meinem Leibe wohl bey guter Speiß und Tranck?

Kauff Aecker Wiesen Feld und bau auf meinen Schatz?

Nein; meine Seele scheut die wandelbare Macht

Und haßt was sie befleckt die aufgeputzte Lust.

Sie kennt den Fallstrick wohl der reitzrischen Gestalt

Und weiß daß sie erstickt in Schwelgerey und Tranck

Wie sehr ihr hinderlich ein Kummer-reicher Schatz

Und daß nur Eitelkeit wohnt in dem Hauß der Welt.

Ich liebe meinen GOtt den Brunnquell aller Lust

Und sehe schon im Geist die himmlische Gestalt.

Mein Schöpffer reichet mir den wahren Himmels-Tranck

Schenckt mir die Seeligkeit ach unvergleichlich Schatz.

Die Erde stinckt mich an ich hasse Geld und Welt

Weil über alles diß noch eine höh’re Macht.

O Glantz der Herrlichkeit! O lieblichste Gestalt!

Wie sehn ich mich nach dir! Geuß doch den Lebens-Tranck

Den dürren Lippen ein mein Heyland und mein Schatz!

Befreye mich doch bald und nimm mich von der Welt

In der ich schmachten muß! Dein unumbschriebne Macht

Vermag ja zu ertheiln die höchstgewünschte Lust.

Ich habe nie geliebt der Wollust Zauber-Tranck

Und geitzig nachgestrebt zu haben einen Schatz.

Ich wuste daß verging die Eitelkeit der Welt

Drumb war ich nicht ihr Freund. Ich lacht’ offt ihrer Macht

Und seuffz’te nur zu dir mein GOtt weil keine Lust

Ohn Angst. Und Jahr und Zeit verderben die Gestalt.

Nun HErr weil ich dich lieb entschlag ich mich der Welt

Weil ich dein Allmacht ehr verspott ich ird’sche Macht

Und habe nur an dir und deinem Worte Lust.

Mein geistlich Auge sieht dein’ Anmuth der Gestalt.

Weg weil mein Bräutigam mich tränckt mit seinem Tranck

Welt Macht Lust und Gestalt Tranck Aecker Wiesen Schatz.