Liebes-Brief an Charlotten.

By Johann Georg Gressel

Charlotte laß dis Blatt zu deinen Händen fliegen

Ich weiß du weist es schon was es verborgen hält.

Die Augen so den Geist und den Verstand besiegen

Verschaffen daß es dir leicht zu errahten fällt.

Zwar schreib ich etwas frey durch Fleisch und Blut getrieben

Die Regung so mich quählt mehr als zu hefftig ist

Doch nein es ist nicht frey du wilst ich soll dich lieben

Und zeigst dadurch daß du der Schreiber selber bist.

Ich habe dich geliebt ich liebe dich noch ferner

Allein die Gunst wird noch umsonst von mir gesucht.

Vor

Reichst du mir Salsen her und

Es küsset zwar mein Geist die angenehmen Wangen

Er küßt den Purpur-Mund und deine Schwaanen-Brust

Allein was ists? er kan draus keinen Trost erlangen

Die leere

Wann der erhitzte Mund die schönen Rosen-Lippen

Wo Milch und Honig fleust nicht darf zum Labsahl sehn

So gleichet er dem Schiff daß zum Magnetschen Klippen

So solches nach sich ziehn muß ins Verderben gehn.

Wann aber ihn die Gunst der Schönen lieb gewonnen

Wenn ein beliebter Blick aus holden Augen spielt

Die an zu sehen seyn als zweene Gnaden-Sonnen

Und wenn er sich im Schnee des zarten Busens kühlt:

So fähret er daher in lauter sanfften Wellen

Das Glücke steht ihm bey weil

Kein harter Sturm kan es in seiner Farth zerschellen

Weil es sich nicht zu weit von seinen Haven reist.

Nun stehet es bey dir du kanst mich glücklich machen

Sprich nur:

Ich werde gantz entzückt vor süsser Wollust lachen

Wenn mich dein schöner Schooß nimmt in dem Haven ein.