Liebes-Brief an eine Nachbarinn.

By Johann Georg Gressel

Galante Nachbarin erbrich ein kleines Schreiben

Das ein entflammter Geist aufs weisse Blat gestellt;

Mein Feuer müste zwar noch wol verborgen bleiben

Allein! wer widersteht wenn Dach und Giebel fällt.

Wenn der gesammte Bau in lichten Flammen stehet

So fliehet jedermann und sucht bey andern Raht

Eh’ als das gantze Haus im Rauch und Dampff vergehet

Und die erboßte Flamm zu weit gefressen hat.

Mein Hertz brennt lichterloh die heissen Funcken stieben

Mir aus den Augen raus: die helle Liebes-Gluht

Ist schon neun Monden lang bey mir verborgen blieben

Wodurch mir ist verseigt mein Nahrungs-Oehl das Blut.

Ist nun von deiner Hand nicht Hülffe zu erlangen?

So muß mein Hertzens-Bau in Flammen untergehn;

Doch stoltze Hoffnung lässt mich schon mit Beystand prangen

Weil meinen Untergang dein Auge nicht kan sehn.

Denn brennt des Nächsten Wand so ist Gefahr verhanden

Vor jenen der zunächst an solchen Flammen wohnt;

Es pflegt der harte Sinn am Wehmuhts-Fels zu stranden

Weil die erzürnte Gluht auch seinen Bau nicht schont.

Ein jeder träget bey was zur Errettung dienet

Setzt Feindschaft an die Seit’ und steurt den wilden Brand

Weil durch gethane Hülff die Wohlfahrts-Pflantze grünet

Und angewandter Fleiß beschützet seine Wand.

Allem! hier seh’ ich gern daß auch mit heissen Flammen

Dein annoch kaltes Hertz in Liebe werd’ entbrennt;

Daß du magst meine Gluht als schädlich nicht verdammen

So da der Tugend-Bahn im minsten nicht verkennt.

Schlägt nun mein Bitten an werd’ ich Erhörung finden

So wird mein krancker Geist ins Paradiß verrückt.

Ich werde vor

Wo sich

Ich werde in dem Port der frohen Hoffnung länden

Und treiben an das Land der Glückes-Insul an

Die lange Nacht wird sich mit hellem Morgen enden

Und

Mein

Nachdem ihm seine Sonn’ geht in der Nähe auf

Ich werde durch den Sturm zum grünen Berge dringen

Weil mir kein

Wird nun auch kein Verzug an deiner Seiten liegen

So schreib mir Nachbarinn gewünscht bald wieder zu

Gedenck daß ich den Brand schon lang’ genug verschwiegen

Und setz durch gute Schrifft mein traurges Hertz in Ruh.