Liebes-Brief an Eranen.

By Johann Georg Gressel

Mein Licht! sie nehme an mit wohl-gesinntem Hertzen

Was ein getreuer Geist aus Liebe

Es hat ihr holder Strahl als Feuer-reiche Kertzen

Den gantzen Hertzens-Bau in lichten Brand geführt.

Mein Leben lebt in ihr mein Hertze ist ihr eigen

Es steht in ihrer Macht ob ich soll glücklich seyn.

Wird ihrer Augen-Paar die Strahlen auf mich neigen

So nimmt mich

Ein

Wo

Des edlen Balsams-Strauch wird blühen in den Auen

Woselbst die Lieblichkeit mit vollen Ströhmen fließt.

Der Winter muß bey mir zu einen Sommer werden

In meinem Hertzen zündt sich eine Sonne an

Der Augen süsser Strahl die freundlichen Geberden

Erquicken mehr den Geist als

Mein Licht sie zürne nicht wenn ihr die Schrifft zu wider

Und so mein frecher Geist nach feinen Willen schreibt;

Kein Manns-Bild bleibet hart bey ihren Pracht der Glieder

Das nicht der Augen-Blitz in Sclaven-Ketten treibt?

Jhr Antlitz ist der Thron wo Zucht und Tugend strahlen

Die Schönheit hat dabey ihr ihren Sitz gericht.

Wie schön auch die Natur die Kirschen kan bemahlen

So gleicht ihr Purpur-Schein doch ihren Lippen nicht.

Reimt ihre Trefflichkeit und ich zwar nicht zusammen

Legt man den Demant auch zu keinem Kieselstein

Noch ein geringes Spreu zu Zimmetrinde-Flammen

So muß die Zwiebel doch bey schönen Rosen seyn.

Auf einen wilden Baum pfrofft man offt süsse Früchte

Man hüllet Perl und Gold in schlechte Wolle ein

Die Larve decket offt ein schönes Angesichte

Und eine schwartze Wolck steht bey dem Sonnenschein.

Soll nun mein frecher Geist durch ihren Grimm verderben

Und reist die zarte Hand den Hoffnungs-Ancker ab?

Ach Nein! Erbarmniß läst mich nicht so Hülff-loß sterben

Und ihre Freundlichkeit die stürtzet nicht ins Grab.

Ich sehe daß ein Licht mir in der Nacht auffgehet

Ein

Der Himmel des Gesichts in hellen Strahlen stehet

Die schönen Augen sind nicht Blitz und Donners voll.

Es läst ihr Freundlich-seyn mich stets das beste hoffen

Und ihr Erquickungs-Strahl reist Furcht und Schrecken ein

Ich sehe daß mein Geist im Haven eingeloffen

Weil keine Klippen ihm daselbst im Wege seyn.

Hier schliesset sich mein Brief doch nicht die grosse Liebe

Die gegen sie mein Licht in meinem Hertzen brennt

Der Himmel gebe zu daß sie den Wechsel übe

Und daß ihr keusches Hertz nicht meine Brunst verkennt.