Liebes-Brief an Flavien.

By Johann Georg Gressel

Darf ein verloffner Knecht der offt den Eyd gebrochen

Sich bey der Fahnen wol ohn Straffe finden ein?

Wird nicht nach Krieges-Recht das Urtheil ihm gesprochen

Daß er ein Opffer soll des engen Stranges seyn?

Weil er zu offte schon den festen Eyd zerrissen

Und die Barmhertzigkeit des Richters hat verhöhnt

Nein! vor den Meyn-Eyd muß er mit den Leben büssen

So anders

Doch pflegt ein

Erlassen von der Straff auf seine Wacht zu gehn

Denn nach den Rechten selbst der Straffe-Last zerfället

So auf den Trommel-Schlag sich läst der Sünder sehn.

So mein’ ich

Weil mein verloffner Sinn sich zu den Füssen legt

Die er als seine Fahn mit aller Lust umpfangen

Eh als mein Unbestand den Meyn-Eyd hat erregt.

Soll nun mein leichter Siñ des Meyn-Eyds Strafe schmecken!

So thue

Mich wird der herbe Tod zu keiner Zeit erschrecken

Wenn von so lieber Hand er mir wird angethan.

Kein Strick noch Schwerdt ist Noht die Blitz beseelten Augen

Die können

Schon meines Lebens-Krafft aus meinen Hertzen saugen

Daß mein schon matter Geist fällt wie die Blumen hin.

Kein gifftger

Ist zur Bestraffung noht bloß deiner Augen-Strahl

Vollzieht und hält zugleich das traurge Hals-Gerichte

Und martert meinen Geist mit überhäuffter Quaal.

Wann aber

Daß deine Gnaden-Sonn mit hellen Strahl auffgeht

So dann mein

Und freudig ausgestreckt in vollem Schmucke steht.

Wilt du nun

So werd ich Sonnen-Blum ja mehr als

Ich werde seyn beglückt vor andern auf der Erden

Solt es den

Ich werde auf der Welt des Himmels-Vorschmack spühren

Und

Ich werde meine Hand nach solchen Früchten führen

Wodurch mein mattes Hertz mit Wollust wird erfrischt.

Wird

So wird mein matter Geist auf Zucker-Rosen gehn

Läst dein erzürnter Sinn des Zornes-Flammen schwinden?

So kan ich nach der Nacht den frohen Morgen sehn.

Hier schliesset sich mein Brief hier käumet auf mein Hoffen

Daß meine

Gewiß mein blöder Geist jetzt hast du es getroffen

Denn meine