Liebes-Brief an Flavien.
Darf ein verloffner Knecht der offt den Eyd gebrochen
Sich bey der Fahnen wol ohn Straffe finden ein?
Wird nicht nach Krieges-Recht das Urtheil ihm gesprochen
Daß er ein Opffer soll des engen Stranges seyn?
Weil er zu offte schon den festen Eyd zerrissen
Und die Barmhertzigkeit des Richters hat verhöhnt
Nein! vor den Meyn-Eyd muß er mit den Leben büssen
So anders
Doch pflegt ein
Erlassen von der Straff auf seine Wacht zu gehn
Denn nach den Rechten selbst der Straffe-Last zerfället
So auf den Trommel-Schlag sich läst der Sünder sehn.
So mein’ ich
Weil mein verloffner Sinn sich zu den Füssen legt
Die er als seine Fahn mit aller Lust umpfangen
Eh als mein Unbestand den Meyn-Eyd hat erregt.
Soll nun mein leichter Siñ des Meyn-Eyds Strafe schmecken!
So thue
Mich wird der herbe Tod zu keiner Zeit erschrecken
Wenn von so lieber Hand er mir wird angethan.
Kein Strick noch Schwerdt ist Noht die Blitz beseelten Augen
Die können
Schon meines Lebens-Krafft aus meinen Hertzen saugen
Daß mein schon matter Geist fällt wie die Blumen hin.
Kein gifftger
Ist zur Bestraffung noht bloß deiner Augen-Strahl
Vollzieht und hält zugleich das traurge Hals-Gerichte
Und martert meinen Geist mit überhäuffter Quaal.
Wann aber
Daß deine Gnaden-Sonn mit hellen Strahl auffgeht
So dann mein
Und freudig ausgestreckt in vollem Schmucke steht.
Wilt du nun
So werd ich Sonnen-Blum ja mehr als
Ich werde seyn beglückt vor andern auf der Erden
Solt es den
Ich werde auf der Welt des Himmels-Vorschmack spühren
Und
Ich werde meine Hand nach solchen Früchten führen
Wodurch mein mattes Hertz mit Wollust wird erfrischt.
Wird
So wird mein matter Geist auf Zucker-Rosen gehn
Läst dein erzürnter Sinn des Zornes-Flammen schwinden?
So kan ich nach der Nacht den frohen Morgen sehn.
Hier schliesset sich mein Brief hier käumet auf mein Hoffen
Daß meine
Gewiß mein blöder Geist jetzt hast du es getroffen
Denn meine