Liebes-Brief an Lucretien.

By Johann Georg Gressel

Erbrich galantes Kind das Schreiben und mein Hertze

Und schaue daß ein Feur in beyden Theilen brennt

So deiner Augen-Strahl und holde Schönheits-Kertze

Als seinen Zünde-Strick und ersten Ursprung kennt.

Dein lächelnd Angesicht dein angenehmes Wesen

Das spielet Gluht auf Gluht in meine Geister ein

Dein süsser Blick läst mich bald sterben bald genesen

Und deiner Schönheit muß ich unterthänig seyn.

Die Augen so am Pracht den Himmel angewinnen

Wenn er in blauer Farb die schönsten Wolcken zeigt

Die machen solche Gluht daß Hertz und Geist zerrinnen

Als wenn das Sonnen-Licht ein dünnes Wachs erweicht.

Die holden

Der

Vor deiner Wunder-Pracht wird

Die Schönheit selbst vor dir ins Meer zu Gnaden geht.

Von diesem Angesicht wünsch ich beliebte Blicke

Damit mein Hertze mag vollkommen frölich seyn

Es gehet Freud und Lust in meine Seel zurücke

Wenn dein beliebter Blick ein sanffter Sonnen-Schein.

Ich lebe bloß in dir mein auserwehltes Leben

Dein angenehmer Geist beseelet meine Brust

Die ich dem schönen Geist schon lange eingegeben

Ob es mein Auffenthalt dir schon noch unbewust.

So treibt dein schöner Geist mein Hertz’ an dich zu lieben

Und mein verliebtes Hertz noch mehr durch ihn entbrennt;

Du Schönste schreibst es selbst was ich allhier geschrieben

Dein angenehmer Geist den rechten Schreiber nennt.

Ach blick

Dich selbst und deinen Knecht in meiner Seelen an

Doch was verlange ich? ich weiß von keinen Quaaleu

Denn weil du in mir bist mich nichts betrüben kan.

Dein holdes Angesicht dein angenehmes Wesen

Das machet tausend Lust und leget allem Schmertz

Ja ich muß nur davon die schönsten Früchte lesen

Ach flöß den schönen Geist nur offte durch mein Hertz?

Doch wie nach dunckler Nacht der Sonnen güldne Strahlen

Durch angenehmen Schein das dunckel braune Feld

Mit hellem Tages-Licht zu neuer Lust bemahlen

Ob gleich ihr Wunder-Glantz beständig in der Welt.

So wollst du mich noch mehr durch neue Gunst beglücken

Den Geist der in mir ist laß in dein Hertze ein

Dein Geist ruht schon in mir der Wechsel wird es schicken

Daß wie du in mir bist ich in dir könne seyn.

Nun nimm Annehmlichste nach angebohrner Güte

Mich die du in mir bist zu einem Opffer an

Laß mich entdecket sehn dein gütiges Gemuhte

Daß ich mich recht beglückt dein eigen nennen kan.