Liebes-Brief an Lucretien.
Erbrich galantes Kind das Schreiben und mein Hertze
Und schaue daß ein Feur in beyden Theilen brennt
So deiner Augen-Strahl und holde Schönheits-Kertze
Als seinen Zünde-Strick und ersten Ursprung kennt.
Dein lächelnd Angesicht dein angenehmes Wesen
Das spielet Gluht auf Gluht in meine Geister ein
Dein süsser Blick läst mich bald sterben bald genesen
Und deiner Schönheit muß ich unterthänig seyn.
Die Augen so am Pracht den Himmel angewinnen
Wenn er in blauer Farb die schönsten Wolcken zeigt
Die machen solche Gluht daß Hertz und Geist zerrinnen
Als wenn das Sonnen-Licht ein dünnes Wachs erweicht.
Die holden
Der
Vor deiner Wunder-Pracht wird
Die Schönheit selbst vor dir ins Meer zu Gnaden geht.
Von diesem Angesicht wünsch ich beliebte Blicke
Damit mein Hertze mag vollkommen frölich seyn
Es gehet Freud und Lust in meine Seel zurücke
Wenn dein beliebter Blick ein sanffter Sonnen-Schein.
Ich lebe bloß in dir mein auserwehltes Leben
Dein angenehmer Geist beseelet meine Brust
Die ich dem schönen Geist schon lange eingegeben
Ob es mein Auffenthalt dir schon noch unbewust.
So treibt dein schöner Geist mein Hertz’ an dich zu lieben
Und mein verliebtes Hertz noch mehr durch ihn entbrennt;
Du Schönste schreibst es selbst was ich allhier geschrieben
Dein angenehmer Geist den rechten Schreiber nennt.
Ach blick
Dich selbst und deinen Knecht in meiner Seelen an
Doch was verlange ich? ich weiß von keinen Quaaleu
Denn weil du in mir bist mich nichts betrüben kan.
Dein holdes Angesicht dein angenehmes Wesen
Das machet tausend Lust und leget allem Schmertz
Ja ich muß nur davon die schönsten Früchte lesen
Ach flöß den schönen Geist nur offte durch mein Hertz?
Doch wie nach dunckler Nacht der Sonnen güldne Strahlen
Durch angenehmen Schein das dunckel braune Feld
Mit hellem Tages-Licht zu neuer Lust bemahlen
Ob gleich ihr Wunder-Glantz beständig in der Welt.
So wollst du mich noch mehr durch neue Gunst beglücken
Den Geist der in mir ist laß in dein Hertze ein
Dein Geist ruht schon in mir der Wechsel wird es schicken
Daß wie du in mir bist ich in dir könne seyn.
Nun nimm Annehmlichste nach angebohrner Güte
Mich die du in mir bist zu einem Opffer an
Laß mich entdecket sehn dein gütiges Gemuhte
Daß ich mich recht beglückt dein eigen nennen kan.