Liebes-Brief an Silvien.
Nimmt Silvia den Brief an mit geneigten Händen?
Darinn enthalten ist was meine Sinnen kränckt
Und was dem Geist befiehlt sich zu ihr hinzuwenden
So weiß ich daß sie schon viel Guts von mir gedenckt.
Zwar was hier heimlich ist sind ihr bekannte Sachen
Sie weiß daß sie mein Hertz durch ihren Blick entzündt
Jhr lächelnd Auge will die Flammen grösser machen
Die mehr denn allzugroß ja unauslösch lich sind.
Es kan mein schwacher Mund nicht alle Seuffzer zählen
Die ihre Artigkeit in meiner Brust erregt;
Und ob sie es schon weiß will ich doch nicht verhehlen
Wer in dem Hertzen erst das Feur hat angelegt.
Der schönen Augen-Licht das gleich den Sternen blitzet
Bringt mir die Liebes-Gluht ihr die Vollkommenheit;
Vollkommen ist die Pracht die das Gesicht besitzet
Wer ist? der tadeln kan der Mienen Trefflichkeit.
Mit Schnee und Purpur sind die Wangen ausgezieret
Da sieht man den
Die Stirne ist der Thron worauf den Scepter führet
Die holde Freundlichkeit geschmückt mit tausend Schön.
Die Lippen sind Rubin davon ein
Der Athem übersteigt des besten Balsams Krafft
Glückselig wer die Lust noch dermahleins geniesset
Daß ihm der süsse Mund ein solches Labsahl schafft.
Der Cedern glatte Hals wie aus Albast geschnitzet
Der siegt den Liljen an die
Das Haar so als ein Wall den schönen Ort beschützet
Der
Der Brüste Perlen Pracht ist ein entzückends Wesen
Aus ihrer Rosen Spitz die holde Anmuth lacht
Die Schönheit hat dabey den Wohn-Platz auserlesen
Und die Natur daran ihr Meister-Stück gemacht.
Den noch verdeckten Schatz und ander Kostbarkeiten
Die will ich als verdeckt mit Schweigen übergehn.
Wer ist der gegen sie und ihre Pracht will streiten?
Der nicht durch ihre Macht sich muß bezwungen sehn.
Mit Freuden höre ich wie meine Fessel klingen
Ich behte sie mein Licht als meine Göttin an
Jhr Auge so mein Hertz zur Liebe können zwingen
Mit einem sanfften Blick die Schmertzen lindern kan.
Erblickt
Den Brand den ihr erregt last euch gefällig seyn
Nehmt mein verirrtes Schiff in den gewünschten Haven
Stellt eure Sprödigkeit und eur Verstellen ein.
Jhr Hart-seyn gegen mich verkehre sich in Liebe
Jhr Nebel werde mir zu einem Sonnenschein
Jhr Eyß verwandel sich in heisse Liebes-Triebe
Jhr Hertze werde Wachs das jetzund Kieselstein.
Ach! schencket mir ein Wort das süsse Wollust heget
Die Sylbe so der Pein ein frohes Ende macht
Ein Ja das allen Schmertz und alles Leiden leget
Und das die Losung ist daß mir ihr Hertze lacht.